Barrick Gold und das Tansania-Problem

Die Barrick Gold-Aktie wird auf dem aktuellen Niveau unter 12 Euro aus Value-Sicht durchaus interessanter.

Denn das Unternehmen hat recht geringe Förderkosten (bezogen auf die sogenannten AISC-Förderkosten) und hat die Schuldenlast deutlich verringert. Es gibt aber eine größere Unsicherheit in Bezug auf die Tochter in Tansania. Dort kommen ca. 10 Prozent der Goldförderung von Barrick Gold her – und die Regierung Tansanias hatte einen Exportstopp verhängt.

Angeblich soll die dortige Tochter (Acacia Mining) die eigenen Exporte massiv untertrieben haben, um weniger an den Staat zahlen zu müssen. Barrick Gold hatte gemeldet, dass man ein Rahmenwerk vorgeschlagen habe, um dieses Problem zu lösen. Der CEO von Barrick Gold flog persönlich zu einem Treffen nach Tansania, was zeigt, dass es hier um keine „Peanuts“ geht. Doch eine Meldung zu einer definitiven Einigung steht noch aus.

Zu dem Thema Tansania und Acacia Mining habe ich inzwischen einige Hintergrundinformationen erhalten. Und zwar hat Tansania wie auch Sambia in den 1990ern auf Anraten/Befehl der Weltbank strukturelle Anpassungsprogramme vorgenommen (Quelle für diesen Abschnitt: Roman Grynberg von der University of Namibia). Das hatte zur Folge, dass Acacia Mining in den Jahren 2009-2015 zwar Gewinne machte und 191 Mio. Dollar an Dividenden ausschüttete – aber keinerlei Unternehmenssteuern (für Tansania) zahlte.

Vor diesem Hintergrund kann ich es nachvollziehen, dass sich die Behörden Tansanias veräppelt vorgekommen sind. Wenn ein ausländisches Unternehmen die Goldvorkommen des Landes ausbeutet, dann sollte schließlich dieses Land selbst auch etwas davon haben. Hier wurde offensichtlich mit dem Exportstopp für Acacia ein Druckmittel genutzt, um zu einer für Tansania besseren Lösung zu kommen. Und offensichtlich wirkte das auch, der Großaktionär Barrick Gold hat ja wie gesagt eine neue Vorgehensweise vorgeschlagen, die ich mir näher angeschaut habe.

Noch ist aber von Barrick Gold nicht gemeldet worden, dass es eine definitive Einigung mit der Regierung von Tansania gegeben hat. Insofern warte ich hier derzeit noch ab. Und es gibt andere Dinge zu recherchieren – denn Barrick Gold hat sich vor wenigen Tagen an einem kleinen Gold-Explorer beteiligt, der auf Projekte in Französisch-Guyana setzt. Mal sehen, was es damit auf sich hat

Gerade schaue ich mir die Fundamentaldaten der „Reunion Gold Corporation“ an. Warum? Barrick Gold hat mitgeteilt, mit rund 15% bei Reunion Gold eingestiegen zu sein. Dies sei im Rahmen einer Privatplatzierung geschehen, bei der Barrick Gold 48 Mio. Aktien zu je 0,19 Dollar genommen hat, Kaufpreis damit 9,12 Mio. Dollar. Diese 48 Mio. Aktien sollen den genannten rund 15% aller Reunion Gold-Aktien entsprechen. Ist hier eine komplette Übernahme geplant? Barrick Gold teilte dazu mit, dass man die Aktien aus Investment-Gründen („investment purposes“) gekauft habe. Von einer angestrebten kompletten Übernahme und Eingliederung in den Konzern wurde nichts gesagt. Stattdessen hieß es, man könne weitere Aktien kaufen oder verkaufen, je nach Einschätzung der Marktlage und des operativen Geschäfts von Reunion Gold. Das kann natürlich alles und nichts heißen.

>Barrick Gold: Beteiligung an Reunion Gold

Wenn Barrick Gold einsteigt, könnte das potenziell interessant sein. Ich habe mir gerade eine Unternehmenspräsentation von Reunion Gold angeschaut. Es handelt sich um einen kanadischen Explorer, der in Französisch-Guyana/Surinam Goldvorkommen exploriert. Ich persönlich halte mich bei reinen Explorern zurück. Die haben naturgemäß noch keine Einnahmen und können es in einem Rohstoff-Bärenmarkt schwer haben, neues Kapital zu erhalten.

Ich finde es einfacher, Junior oder Senior Produzenten zu bewerten, da gibt es schließlich Angaben zu Förderkosten, Cash Flow etc. pp. Als Ziel für die Förderkosten nennt Reunion Gold günstige 825 Dollar/Feinunze (AISC). Wie gesagt – Ziel! Ob das so eintreten wird, wird sich zeigen. Für Barrick Gold jedenfalls rechne ich eine Beteiligung in dieser Größenordnung eher dem Bereich „wird aus der Portokasse bezahlt“ zu.

Barrick Gold

Bild: Wochen-Chart der Barrick Gold Aktie

Die Barrick Gold Aktie besitzt bei 14 Euro eine Unterstützung. Mit dem aktuellen Kurs ist die Unterstützung leicht durchdrungen. Gebrochen ist sie allerdings noch nicht, denn es geht bei eine Unterstützung immer um eine Zone. Das bedeutet, die Aktie hat immer noch das Potenzial für eine Umkehrbewegung. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass der Kurs mit einer dynamischen Bewegung nach oben laufen sollte. Die Unterstützung ist allerdings kritisch. Technisch gibt es noch keine Anzeichen für die Umkehr. Daher ist eine Long-Position gefährlich. Ohne ein neues technisches Long-Signal, wie zum Beispiel eine bullishe Candle-Formation, sollte man nicht einsteigen. Es ist wichtig, den Kurs weiter zu beobachten. [Anmerkung der Redaktion]

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

www.vaupels-boersenwelt.de

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