Relative Stärke nach Levy – Aktienprognose

Wir suchen alle Aktien, die besser als der Durchschnitt sind

Der Amerikaner Robert A. Levy stellte Ende der 1960 Jahre ein revolutionäres Konzept für die Aktienselektion vor. Damals war Levy einer der ersten, der mithilfe eines Computers eine Aktienanalyse betrieb. Obwohl das Konzept schon viele Jahrzehnte angewendet wurde, ist es bis heute nicht veraltet. Es gibt lediglich Verfeinerungen in der Handhabung, aber die grundsätzliche Idee blieb stets erhalten. Das spricht für die Qualität der Idee.

Die Konzentration auf das Momentum bringt den statistischen Vorteil

Bei Levy steht der Marktschwung (Momentum) im Fokus. Ein Wertpapier, das stark ansteigt, wird seinen Kursfortschritt wahrscheinlich noch eine Weile fortsetzen. Ein Trend in einem Aktienindex, zum Beispiel DAX, basiert auf dem Momentum seiner Einzelaktien. Manchmal lässt ein hohes Momentum den Index sogar stärker erscheinen als er möglicherweise ist, denn schwächere Aktien werden mitgezogen.
In einem Aufwärtstrend steigt die Mehrheit der Aktien, dabei steigen die „guten“ Aktien umso mehr. In einem extremen Bullenmarkt entsteht ein grundsätzliches Problem im Risikomanagement, denn ein risiko-diversifiziertes Portfolio ist praktisch nur schwer umsetzbar. In einem überzogenen Aufwärtstrend steigen fast alle Aktien und in einem zu starken Abwärtstrend fallen sie gemeinsam. Ein eigenständiges Kursverhalten der Einzelaktien wird im Trend unterdrückt.

Levy`s Ansatz der relativen Stärke

Innerhalb der Technischen Analyse wird die Begriffe „relative Stärke“ in einem unterschiedlichen Zusammenhang benutzt. Sehr oft gibt es die Bezeichnung RSI. Hierbei handelt es sich um den Relative Stärke Index von Welles Wilder. Dieser hat nichts mit dem Ansatz von Levy zu tun. Wilder beschreibt mit seinem Indikator die relative Lage des Kurses in der eingestellten Periode (meist 14).

Im Gegensatz dazu sucht Levy die relative Stärke einer Aktie im Vergleich zu einem Gleitenden Durchschnitt. Auf Grundlage der 26 Wochenperiode (130 Tage) stellte er seine Berechnungen an. Das Ergebnis ist eine Tabelle, die ein Ranking eines Index darstellt.
Levy untersuchte damals 200 Aktien der New Yorker Stock Exchange (NYSE) mit Wochenkursen. In seinem untersuchten Zeitraum stieg der Dow-Jones-Index um 64 % an (Okt.1960 – Okt.1965). Für seine Analysen hat Levy mit unterschiedlichen Zeitintervallen gearbeitet. Er unterteilte die Daten in kurzfristig (eine Woche), mittelfristig (einen Monat) und langfristig (halbes Jahr). Er entschied sich für diese Intervalle, weil die Marktteilnehmer in diesen Zeiträumen denken, handeln und planen.

Relative Stärke Levy (RSL) =
Aktuelle Wochenschlusskurs / MA(Wochenschlusskurs,26)

So funktioniert das Momentum

Levy beschrieb den Grundgedanken des Momentums anhand eines Balls. Wirft man den Ball in die Luft, dann weist der Beginn der Bewegung eine starke Beschleunigung auf. Deshalb ist die Geschwindigkeit des Balles im ersten Drittel der Bewegung am höchsten. Während der Aufwärtsbewegung steigt der Ball dann immer langsamer an, bis er durch die Erdanziehung wieder nach unten fällt. Ähnlich läuft es im Aktienmarkt ab. Ein Trend des Aktienmarktes ist deshalb immer ein Zusammenspiel mit dem Momentum der Einzelwerte.
Die oben dargestellte Formel ist die übliche Berechnung des Momentums. Das Ergebnis ist eine Zahl um 1. Ist der Wert größer als 1, dann tendiert die Aktie aufwärts. In einem Abwärtstrend liegt das Momentum des Wertpapieres unter 1. Aber eine relative Stärke zum Index lässt sich aus dem RSL-Wert nicht herauslesen. Auf jeden Fall ist es aber so, dass die Aktien mit den stärksten RSL-Werten oft auch relative Stärke zum Index bieten.

Das Herzstück der Analyse ist die Rangliste

Eine qualitative Aussage zu den Aktien entsteht durch die tabellarische Darstellung. Die besten Aktien besitzen oft einen hohen RSL-Wert. Levy empfiehlt eine Investition zu gleichen Teilen in die besten 5-7% der Rangliste. Bezogen auf den DAX wäre die Aktienanzahl allerdings etwas gering, denn hier kämen rechnerisch nur zwei Aktien (7%) für das Investment infrage.

Die Idee des Ranking erweist sich als Top-Idee, denn das Levy-Prinzip erzeugt regelmäßig eine Outperformance des Portfolios zum Aktienmarkt. Ausgewählte Aktien sollten erst wieder verkauft werden, wenn der RSL-Wert eine kritische Schwelle erreicht. Eine Aktie wird uninteressant, wenn Sie in der Rangliste zu den 31% der schwächsten Aktien gehört (cast-out-rank).
Aufgrund der Berechnungsweise des Momentums über die letzten 26 Wochen, ist das Relative-Stärke-System nach Levy ein Trendfolgehandel. In langandauernden Seitwärtsmärkten zeigt es demnach Schwächen.

Unternehmen WKN Kurs $/€ Levy
Wirecard WKN 747206 175,3 1,09
MERCK KGaA WKN 659990 93,08 1,07
LINDE AG O.N. WKN: 648300 190,25 1,06
DT.TELEKOM WKN 555750 14,56 1,05
ADIDAS AG WKN: A1EWWW 200,9 1,01
MUENCH.RUECKVERS. WKN 843002 188,3 1,01
VONOVIA SE WKN: A1ML7J 41 0,99
ALLIANZ WKN: 840400 183,98 0,99
DEUTSCHE BOERSE WKN: 581005 113,95 0,99
Beiersdorf AG WKN 520000 93,8 0,96
SAP  SE WKN 716460 94,99 0,95
DEUTSCHE BANK WKN 514000 9,4 0,94
Volkswagen VZ. WKN: 766403 142,34 0,94
E.ON WKN ENAG99 8,56 0,93
DEUTSCHE POST WKN: 555200 28,6 0,93
BMW AG St. WKN 519000 74,44 0,91
HENKEL AG+CO.KGAA VZO WKN 604843 96,52 0,91
THYSSENKRUPP AG WKN 750000 18,97 0,9
FRESENIUS SE+CO.KGaA WKN: 578560 59,88 0,9
Siemens WKN 723610 100,24 0,9
RWE AG ST O.N. WKN 703712 18 0,88
DAIMLER AG WKN: 710000 50,81 0,87
Bayer AG WKN: BAY001 76,54 0,86
BASF SE WKN BASF11 67,49 0,84
LUFTHANSA AG WKN: 823212 18,13 0,82
Infineon Tech. WKN 623100 17,85 0,82
FRESEN.MED.CARE KGaA WKN 578580 70 0,82
HEIDELBERGCEMENT AG O.N. WKN: 604700 56,56 0,8
Covestro WKN: 606214 57,22 0,77
CONTINENTAL AG WKN 543900 133,3 0,72

In der oberen Tabelle zeigen sich die aktuell stärksten Aktien des DAX. Für eine Investition kämen die obersten Aktien der Tabelle infrage, weil sie einen hohen RSL-Wert haben. Eine zusätzliche Analyse könnte die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Sie kann technisch als auch fundamental umgesetzt werden. Viele Trader arbeiten auch mit Long-Short-Strategien. Das heißt, sie gehen gleichzeitig mit den stärksten Werten long, und mit den schwächsten short.

Levy-Konzept funktioniert besonders in Bullen-Märkten

Wie heißt es so schön? „Wo gehobelt wird, dort fallen auch Späne.“ Das Levy-Konzept hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es gute Resultate erzeugen kann. Es bedeutet jedoch nicht, dass es auch Schwächen hat. Die Schwächen kommen zum Tragen, wenn der Aktienmarkt mit volatilen Schwankungen zu kämpfen hat, und die Trendsignale wechseln. Das Levy-Konzept benötigt immer Trends, und ohne Trends gibt es auch keine Out-Performance.

Kleine Marktanalyse mit Levy

Das Ranking der Tabelle sollte wöchentlich aktualisiert werden. So bekommt man ein Gefühl, für die Veränderungen innerhalb des DAX-Index. Aufgrund der Veränderungen der wöchentlichen Levy-Werte kann man den Gesamtmarkt beurteilen. Ein Aufwärtstrend entsteht zum Beispiel, wenn 60% oder mehr der Aktien einen RSL über 1 besitzen. Dementsprechend entsteht ein Abwärtstrend, wenn 60% der Aktien einem RSL-Wert unter 1 haben.
Damit eine markante Umkehr des Marktes erfolgen kann, müssen mindestens 2/3 der Aktien in eine Richtung zeigen. Beispiel: Wenn mehr als 20 Aktien des DAX einen RSL < 1 aufweisen, dann ist der Markt bereits heiß gelaufen. Eine bullishe Umkehr steht bald an. Eine klares Über-Verkauft-Signal entsteht, wenn 85% der Aktien einen RSL < 1 zeigen. Für den DAX liegt damit der Grenzwert bei 26 Aktien.

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