Moderna: Der Knaller in der Krebstherapie
Die wohl spektakulärste Einzelaktien-Story der vergangenen fünf Handelstage liefert Moderna (MRNA). Der Biotech-Konzern meldete gemeinsam mit Merck am Mittwoch, 19. August, positive Phase-III-Ergebnisse für den personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran Autogene. Die Kombination mit Mercks Keytruda konnte bei Patienten mit reseziertem Melanom die Rückfall- und Metastasierungsgefahr deutlich reduzieren. Die Börse reagierte geradezu explosionsartig: Moderna verdoppelte sich zeitweise und legte am Ende des Tages rund 177 Prozent zu. Allein dadurch stieg die Marktkapitalisierung um etwa 30 Milliarden Dollar.
Die entscheidende Nachricht wurde am 19. August veröffentlicht und löste unmittelbar eine extreme Neubewertung der Aktie aus. Bemerkenswert ist, wie stark die Story anschließend in den Anlegerforen diskutiert wurde. Auf Reddit sorgten beispielsweise Optionspositionen mit teilweise mehreren hunderttausend Dollar Gewinn für enorme Aufmerksamkeit. Ein Beitrag über einen Gewinn von rund 562.000 Dollar erhielt innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend positive Bewertungen. Auch andere Trader berichteten von extrem profitablen Call-Optionen. Gleichzeitig wurde kontrovers diskutiert, ob die Kursbewegung fundamental gerechtfertigt oder bereits übertrieben sei.
Die Bedeutung der Meldung reicht über das Melanom hinaus. Moderna versucht seit dem Ende des Covid-Impfstoff-Booms, seine mRNA-Technologie für neue Therapiegebiete zu etablieren. Der Erfolg des Krebsimpfstoffs könnte daher die Pipeline des Unternehmens völlig neu bewerten. Allerdings sind noch nicht alle entscheidenden Daten veröffentlicht. Analysten weisen insbesondere darauf hin, dass Gesamtüberleben, Sicherheitsprofil und die kommerzielle Skalierbarkeit der individualisierten Impfstoffe noch genauer beurteilt werden müssen. Die vollständigen Daten sollen zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert werden.
Mögliche Anlageidee:
Für Trader ist Moderna nach dem Kurssprung weniger ein klassischer „Buy-and-hold“-Kandidat als eine Momentum- und Volatilitätsstory. Interessant wäre, nicht dem ersten Kurssprung hinterherzulaufen, sondern auf eine technische Konsolidierung zu warten. Hält die Aktie einen wesentlichen Teil des Ausbruchs und bildet anschließend eine enge Range, könnte ein prozyklischer Einstieg oberhalb des Konsolidierungshochs interessant werden. Das Risiko ist allerdings außergewöhnlich hoch: Nach einem Anstieg von rund 177 Prozent kann bereits eine normale Gewinnmitnahme einen zweistelligen Kursverlust auslösen.
Bild1: Wochenchart der Moderna-Aktie
Das Allzeithoch der Aktie lag im Jahr 2021 bei 450 USD. Was danach geschah, kann man nur als Fiasko für Langzeitanleger betrachten, denn der Kurs fiel bis 2025 auf 24 USD zurück. Kaum jemand traute dem Unternehmen noch Erfolgschancen zu. Bis auf wenige Ausnahmen, denn der MFI kreuzte Anfang 2025 klar den RSI, was darauf schließen lässt, dass die Aktie zu diesem Zeitpunkt von institutionellen Marktteilnehmern eingesammelt wurde. Am vergangenen Mittwoch zeigte sich der Kurs bullish explosiv. Wenn sich die Hoffnungen für die Krebsbehandlung auch nur halbwegs erfüllen, wird die Aktie raketenhaft weiter ansteigen.
Bitcoin und Coinbase: Regulierung wird zum Kurstreiber
Um wen oder was geht es?
Die zweite große Story spielt nicht bei einer einzelnen Aktie, sondern im gesamten Krypto-Aktien-Komplex. Bitcoin hat sich in den vergangenen Tagen massiv erholt und am Freitag zeitweise mehr als 75.000 Dollar erreicht. Gleichzeitig profitieren börsennotierte Unternehmen wie Coinbase und Strategy von der wieder zunehmenden Risikobereitschaft. Der entscheidende fundamentale Treiber ist diesmal allerdings nicht nur Bitcoin selbst, sondern die politische Entwicklung in den USA. Präsident Donald Trump forderte am 19. August den Kongress erneut auf, ein Gesetz zur klareren Regulierung digitaler Vermögenswerte zu verabschieden.
Am Mittwoch, 19. August, traf Trump im Weißen Haus Vertreter der Kryptoindustrie und drängte auf Fortschritte beim sogenannten Clarity Act. Bereits am Donnerstag sprang Bitcoin deutlich nach oben. Am Freitag setzte sich die Bewegung fort: Bitcoin erreichte ein Zwölf-Wochen-Hoch, während Coinbase und andere Krypto-Aktien ebenfalls kräftig zulegten. Die Diskussion unter Tradern dreht sich deshalb zunehmend um die Frage, ob es sich lediglich um eine Short-Covering-Rally handelt oder um den Beginn einer neuen Aufwärtswelle.
Für die Kryptoindustrie wäre eine klarere gesetzliche Einordnung ein wichtiger struktureller Schritt. Banken, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren könnten digitale Assets leichter in ihre Geschäftsmodelle integrieren, wenn die regulatorischen Risiken geringer werden. Davon profitieren Unternehmen mit einer direkten Verbindung zum Krypto-Handel besonders stark. Coinbase ist dabei interessant, weil das Unternehmen unmittelbar vom Handelsvolumen und der zunehmenden institutionellen Nutzung digitaler Assets profitiert. Strategy wiederum ist ein hoch gehebelter Bitcoin-Proxy, dessen Aktienkurs wesentlich stärker auf Bitcoin-Bewegungen reagieren kann. Die jüngste Rally wurde zusätzlich durch fallende Renditeerwartungen und Short-Eindeckungen unterstützt.
Mögliche Anlageidee:
Für Trader bietet sich hier eher Coinbase als direkter Krypto-Aktien-Trade an. Entscheidend wäre, ob Bitcoin die Zone um 75.000 Dollar nachhaltig überwinden kann. Gelingt der Ausbruch unter steigendem Volumen, könnte Coinbase überproportional reagieren. Fällt Bitcoin dagegen unter das Ausbruchsniveau zurück, wäre dies ein Warnsignal. Eine Alternative für aggressivere Trader ist Strategy – allerdings mit deutlich höherem Risiko. Der entscheidende Vorteil des Coinbase-Trades: Man muss nicht darauf spekulieren, dass Bitcoin auf ein bestimmtes Kursziel steigt; bereits eine Fortsetzung des Handels- und Investoreninteresses kann den Aktienkurs unterstützen.
Bild: Wochenchart der Coinbase-Aktie
Aus technischer Sicht sieht die aktuelle Kursbewegung sehr vielversprechend aus. Obwohl der Kursanstieg beträchtlich war, sollte man die allgemeine Volatilität der Aktie nicht unterschätzen. Institutionelle Marktteilnehmer haben die Aktie im Jahr 2026 kontinuierlich erworben. Der MFI lag dabei stets über dem RSI, was als sehr bullish zu bewerten ist. Seit Mitte Februar hat sich eine Bodenbildung etabliert, die die Aktie vor tieferen Kursen schützt. Das nächste Kursziel von 200 USD ist leicht zu erreichen. Die Aktie hat jedoch Potenzial bis ca. 280 USD.
Nvidia: Der nächste große AI-Trade steht unmittelbar bevor
Die dritte Anlagechance ist Nvidia – und hier geht es weniger um eine bereits abgeschlossene Nachricht als um einen bevorstehenden Großtermin, der derzeit die Positionierung der Börsianer bestimmt. Nvidia veröffentlicht am Mittwoch, 26. August, nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal. Nvidia ist mittlerweile nicht mehr nur ein Halbleiterunternehmen, sondern gewissermaßen der Gradmesser dafür, ob die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz tatsächlich weiter wachsen.
In den vergangenen fünf Handelstagen wurde die Nvidia-Story von zwei gegenläufigen Faktoren bestimmt. Einerseits rückte der Quartalsbericht immer näher. Andererseits haben stark steigende US-Anleiherenditen die hoch bewerteten Technologiewerte unter Druck gesetzt. Der Nasdaq und der Halbleitersektor standen deshalb zeitweise deutlich unter Druck. Gleichzeitig meldete Nvidia neue Finanzierungsinitiativen für AI-Infrastruktur im Umfang von mehr als 500 Milliarden Dollar, was zeigt, wie groß der erwartete Investitionszyklus weiterhin ist.
Das Problem für die Bullen: Gute Zahlen allein reichen möglicherweise nicht mehr. Nvidia muss die extrem hohen Erwartungen übertreffen und zugleich einen überzeugenden Ausblick liefern. Die Aktie ist inzwischen so bedeutend, dass ein enttäuschender Ausblick nicht nur Nvidia selbst treffen könnte, sondern den gesamten Nasdaq und zahlreiche AI-Zulieferer. Umgekehrt könnte ein neuerlicher „Beat and Raise“ die jüngste Schwächephase im Technologiesektor abrupt beenden. MarketWatch erwartet derzeit eine mögliche Kursbewegung von etwa 5,3 Prozent allein im Anschluss an die Zahlen.
Für Trader ist Nvidia derzeit vor allem ein Event-Trade. Interessant erscheint weniger der Versuch, die Richtung der Zahlen zu erraten, sondern die technische Reaktion nach der Veröffentlichung. Ein Szenario wäre: Nvidia überrascht positiv, die Aktie bricht aus der aktuellen Konsolidierung nach oben aus und zieht gleichzeitig den Nasdaq sowie andere AI-Werte mit. Dann könnte ein prozyklischer Einstieg nach dem Earnings-Gap interessant sein. Enttäuschen die Zahlen dagegen, wäre ein Short-Setup im Nasdaq beziehungsweise bei schwächeren AI-Aktien denkbar. Wer bereits vor den Zahlen einsteigt, sollte sich bewusst sein, dass die implizite Volatilität des Optionsmarktes einen sehr großen Teil der erwarteten Bewegung bereits einpreisen dürfte.
Bild: Wochenchart der Nvidia-Aktie
Der Money Flow einer Aktie beschreibt das Potenzial für einen Kursanstieg. In dieser Hinsicht sieht es ziemlich fad aus, weshalb das Chance/Risiko-Verhältnis – egal, ob man sich für einen Long- oder Short-Trade interessiert – gering ist.
Fazit für Trader:
Die drei Geschichten könnten unterschiedlicher kaum sein. Moderna steht für eine extreme Einzelaktien-Neubewertung durch einen medizinischen Durchbruch, Bitcoin/Coinbase für einen politischen und regulatorischen Krypto-Trade und Nvidia für den bevorstehenden Belastungstest der gesamten AI-Hausse. Gerade für kurzfristig orientierte Börsianer haben alle drei eines gemeinsam: Der jeweilige Kurstreiber ist noch nicht vollständig „abgearbeitet“. Das erhöht die Chance auf weitere Bewegungen – gleichzeitig aber auch das Risiko heftiger Gegenbewegungen.
Hinweis: Die Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Alle Investitionen in Wertpapiere sind grundsätzlich mit Chancen und Risiken verbunden.
Infos zu den verwendeten Indikatoren:
Im zentralen Kurschart befinden sich drei gleitende Durchschnitte. Diese sind als einfache MA20, MA50 und MA100 dargestellt. Sie dienen der schnellen Einordnung des Trends. Ein Trend ist besonders stark, wenn alle GDs in die gleiche Richtung zeigen.
Der untere Indikator ist eine Kombination aus den bekannten Standardindikatoren RSI und MFI. Beide Indikatoren besitzen die gleiche Skalierung von 0 bis 100, wobei der MFI schneller reagiert als der RSI. Der MFI enthält in seiner Berechnung das Handelsvolumen, wodurch er dynamischer wird. Es gilt die Regel: Der MFI treibt den RSI an! Das Verhalten institutioneller Marktteilnehmer lässt sich erahnen, da sie mit ihrem hohen Handelsvolumen den Markt beeinflussen. In einem bullishen Zustand liegt der MFI über dem RSI. Für einen Aufwärtstrend übertrifft der MFI den Grenzwert von 60. In einer bullishen Konsolidierung läuft der RSI in Richtung der 50er-Mittellinie, während der MFI darüber liegt. In Bärenmärkten führt der MFI die Abwärtswellen an und unterschreitet den Grenzwert von 40.



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