Price-Action-Pattern mit „Fair Value Gap“

Wenn Sie ein Price Action Trader sind, könnte das Fair Value Konzept genau das richtige Modell sein, um Ihre Palette an Setups zu vervollständigen. In diesem Artikel besprechen wir die Grundlagen des Fair Value Gap.

Kann eine Kurslücke fair sein?

Das Fair Value Gap (FVG) ist ein äußerst interessanter Handelsansatz, da es sich dabei um ein marktpsychologisch Standardmuster handelt. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um eine klassische Kurslücke, wie wir sie aus der Technischen Analyse kennen. Vielmehr entsteht eine rechnerische Lücke, wenn ein Handelskurs von seinem fairen Wert abweicht.

Auch hier ist der Begriff „Fair Value” nicht wörtlich zu verstehen, da er nichts mit der betriebswirtschaftlichen Fundamentalanalyse zu tun hat. Der FVG kann verschiedene Ursachen haben. Meistens entsteht die Abweichung durch Nachrichten oder Veränderungen von Angebot und Nachfrage. Händler nutzen den FVG-Ansatz, um potenzielle Handelsmöglichkeiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu identifizieren. Die zugrunde liegende These ist, dass der Kurs immer wieder zu seinem fairen Wert zurückkehren wird.

Konkret handelt es sich beim FVG um eine dreiteilige Candlestick-Formation, die in jedem gängigen Chart zu erkennen ist. Die Farbe der drei Kerzenkörper ist in der Formation identisch. Ein bullisches FVG besteht somit aus drei grünen Candlesticks. Die erste Kerze gibt die Richtung vor, die zweite Kerze ist besonders stark und zeigt einen großen grünen Körper. Die dritte Kerze setzt die Bewegung fort und hat einen kleineren grünen Körper.

Fair Value Gap

Bild: Grundprinzip eine bullishen Fair Value Gaps

Das FVG besteht aus drei Candlesticks, wobei die mittlere Candlestick einen großen Kerzenkörper haben muss. Rechnerisch ergibt sich das FVG aus dem Hoch der ersten Kerze und dem Tief der dritten Kerze. Das Prinzip kann in umgekehrter Form für ein bearishes FVG verwendet werden.

Es gibt jedoch auch Händler, die das Konzept mit einer variablen Farbgebung der Candlesticks umsetzen. Sie behaupten, dass die Farbe des ersten und dritten Kerzenkörpers weniger wichtig ist. Wichtig ist nur, dass die zweite Candlestick besonders stark ist und einen überdurchschnittlich großen Kerzenkörper enthält. Dieser Ansatz ist toleranter und liefert daher mehr Handelssignale. Dieser Ansatz ist grundsätzlich nicht falsch, erfordert aber deutlich mehr Disziplin im Risiko- und Moneymanagement.

 

B2: DAX im 5-min-Chart und FVG-Pattern

Der Chart zeigt, wie leicht sich die Muster des FVG auch intraday entdecken lassen. Optischer Ausgangspunkt für die Suche ist dabei stets eine größere Kerze mit langem Kerzenkörper.

Zeitrahmen der Fair Value Gap-Strategie

Das FVG-Konzept ist auf allen Zeitebenen anwendbar – von 1-Minuten- bis hin zu Monatscharts. Die Muster sind in verschiedenen Anlageklassen zu finden. Am häufigsten wird das Konzept auf Indizes, Aktien und Forex angewendet. Die meisten Nutzer verwenden das Muster als Einstiegsstrategie zum Marktbeginn. Aus dem Muster lässt sich auch ein geschickter Stoppkurs ableiten. Die zugrunde liegende Handelsidee basiert auf der These, dass der Kurs immer wieder zu seinem fairen Wert zurückkehren sollte. Dieses Prinzip ist vergleichbar mit den klassischen Gaps, bei denen die Kurslücke in den meisten Fällen ebenfalls wieder geschlossen wird. Asiatische Trader sprechen daher gerne von Kursfenstern, die wieder geschlossen werden müssen, damit der Kurs seinen Trend fortsetzen kann.

Ausstieg aus den offenen Positionen

Im FVG-Chart lassen sich zahlreiche Trading-Chancen entdecken. Ein kurzer Blick auf einen beliebigen Handelschart sollte mit der Suche nach überdurchschnittlich großen Candlesticks beginnen. Wenn diese Candlesticks dann auch noch einen großen Kerzenkörper aufweisen, könnte sich daraus eine Trading-Chance ergeben. Im zweiten Schritt sollten die Candlesticks davor und danach betrachtet werden. Wie sehen die entsprechenden Hochs und Tiefs aus? Entsteht aus der Formation ein Fair-Value-Gap, beginnt der Prozess des Abwartens. Sobald die Grenzen des FVG wieder vom Kurs berührt werden, ergibt sich eine Einstiegschance. Viele Trader lassen sich dabei von Indikatoren unterstützen. Geeignet ist zum Beispiel der MACD-Indikator wie im unteren Bild. Er gibt klare Ein- und Ausstiegssignale und rundet somit das Handelskonzept ab. Zudem zeigt er anhand der Lage seiner Signallinien an, ob der Markt bereit ist, das Kursmomentum in die prognostizierte Richtung fortzusetzen.

B3: Tages-Chart des EUR-USD mit FVG-Signalen

Die FVG-Muster finden sich in allen Asset-Klassen wieder. Im oberen Beispiel (EUR/USD) wurde im Unterchart der MACD-Indikator in seiner Standardeinstellung eingefügt. Er dient der Richtungsorientierung, das heißt, Trades sollten nur in Richtung des MACD ausgeführt werden. Gleichzeitig ist er auch ein guter Ausstiegsindikator, um eine offene Position zu schließen.

Trade-Management und Risiko

Beim Handel mit einem FVG handelt es sich immer um ein Fortsetzungsmuster, das ein übergeordnetes Kursbild ergibt. Idealerweise sollte der Trader in Richtung des großen Trends arbeiten. Nach der Positionseröffnung lässt sich über die entsprechenden Candlesticks auch sofort ein Stopp-Loss setzen. Viele Trader nutzen beispielsweise bei einem Long-Trade das Tief der ersten Kerze. Außerdem sollte dem Chance/Risiko-Verhältnis entsprechend Raum zugestanden werden. Ausgehend vom Startkurs sollte ein Verhältnis von mindestens 2:1 oder 3:1 angestrebt werden. Entsprechend sollte der Zielkurs festgelegt werden. Das FVG ist ein solides Modell, aber keine Gewinngarantie. Das Risiko muss daher mit einem angepassten Kapitaleinsatz gestreut werden. Intraday-Signale sind in der Regel weniger zuverlässig als Signale in größeren Zeiträumen. Ein Richtwert wäre, nicht mehr als 0,5 Prozent des verfügbaren Risikokapitals im Intraday-Handel einzusetzen. Auf Tages- oder Wochenbasis wäre ein Risiko von einem Prozent akzeptabel.

Fazit:

Das Konzept des FVG beruht auf einem psychologischen Kursmuster und bietet daher ein Gewinnpotenzial. Die Umsetzung zur Nutzung dieses Potenzials kann variabel angegangen werden. Es gibt keine ultimative Vorgehensweise. Trader, die sich mit dem FVG beschäftigen möchten, können daher ihre eigenen standardisierten Ein- und Ausstiegsinstrumente verwenden. Wichtig ist jedoch das Grundprinzip: Eine Handelschance entsteht durch ein aufgebautes Kursmomentum, das konsequent ausgenutzt werden sollte. Eine Möglichkeit besteht darin, nach dem Einstieg sofort ein Kursziel und einen Stopp zu setzen – am besten mit einem standardisierten Chance/Risiko-Verhältnis.

 

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