Beim Börsenhandel ist es sinnvoll, sich von Zeit zu Zeit ein paar persönliche, philosophische Fragen zu stellen. Sind die Handelsentscheidungen, die wir immer wieder treffen, wirklich frei? Die meisten werden vermutlich sofort sagen, dass sie immer freie Entscheidungen treffen. Ich glaube das nicht, denn je aktiver man sich mit dem Börsenhandel beschäftigt, desto mehr lebt man in einer Blase. Es ist eine offene, aber gesellschaftlich gut abgrenzbare Community. Wir schauen uns die gleichen Webseiten an, wir lesen ähnliche Magazine und wir bevorzugen ähnliche Social-Media-Plattformen. Wir sehen die gleichen Candlestick-Charts oder Indikatoren. Wie kann man dann behaupten, dass Handelsentscheidungen frei wären?
Kennen Sie das Konformitätsexperiment von Solomon Asch? Es wurde 1951 veröffentlicht und diente dazu, den Einfluss von Gruppenzwang auf die Entscheidungsfindung einer Person zu untersuchen. Insgesamt nahmen 18 Versuchspersonen an dem Experiment teil. Die 18 Personen wurden nacheinander einem Versuch ausgesetzt. Im Raum waren weitere freiwillige Teilnehmer, die jedoch so taten, als wären sie ebenfalls Versuchspersonen. In Wirklichkeit waren sie jedoch Eingeweihte des Versuchsleiters Solomon Asch. Den Versuchspersonen wurden zwei Bilder mit senkrechten Strichen unterschiedlicher Länge gezeigt. Das linke Bild entsprach der Referenzlinie. Das rechte Bild bestand aus drei Linien unterschiedlicher Länge. Die Frage lautete: „Welche Linie, A, B oder C, ist genauso lang wie die Referenzlinie?” Die freiwilligen Teilnehmer wurden angewiesen, bewusst eine falsche Aussage zu treffen: Linie A habe die gleiche Länge wie die Referenzlinie.
Das Ergebnis des Experiments ist erschütternd und zugleich menschlich:
Die Versuchspersonen passten sich trotz offensichtlicher Fehlentscheidung bei etwa einem Drittel der Durchgänge lieber der Mehrheit an. Nur ein Viertel der Versuchspersonen blieb unbeeinflusst und machte in den manipulierten Durchgängen keine Fehler. Dieses Experiment wurde später in einer Vielzahl von Varianten wiederholt und es zeigte sich, dass eine steigende Gruppengröße die Konformitätsrate erhöht. Mit anderen Worten: Je mehr Menschen einer Meinung sind, desto höher ist der Gruppendruck, sich dieser Meinung anzuschließen.
In Bezug auf unsere zahlreichen Handelsentscheidungen ist das beschriebene Experiment durchaus relevant. Wir sind nie wirklich frei in unseren Entscheidungen. Je mehr wir in eine Community eintauchen, desto einheitlicher wird deren Meinung. Ein praktisches Beispiel hierfür ist der Bitcoin. Es gibt viele Anleger, die den Bitcoin als heilige Kuh bezeichnen, obwohl er nur ein mathematisches Konstrukt ist. Der innere Wert des Bitcoins ist die Grundlage der Diskussion und reicht von null bis extrem wertvoll. Was ist nun der korrekte Wert?

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