Der CNN Fear & Greed Index signalisiert mit einem Wert von 24 eine ausgeprägte pessimistische Marktstimmung. Für die technische Marktanalyse ist das ein wichtiger Befund: Wenn Anleger zunehmend Angst vor Kursverlusten entwickeln, verändern sich nicht nur ihre Erwartungen, sondern häufig auch ihr Handelsverhalten. Positionen werden reduziert, Absicherungen aufgebaut und Aktien unter Umständen unabhängig von ihrer fundamentalen Qualität verkauft.
Der Index bündelt sieben Marktindikatoren, darunter die Kursdynamik des S&P 500, die Marktbreite, die Volatilität, das Put/Call-Verhältnis und die Nachfrage nach sicheren Anlagen. Er bildet damit unterschiedliche Facetten des Anlegerverhaltens ab. Ein Wert von 24 liegt im Bereich der extremen Angst, der üblicherweise von 0 bis 25 reicht.
Die entscheidende Frage lautet jedoch: Ist extreme Angst ein Vorbote weiterer Kursverluste oder ein Hinweis auf eine bevorstehende Erholung?
Historisch betrachtet kann eine ausgeprägte pessimistische Stimmung eine interessante antizyklische Ausgangslage schaffen. Wenn viele Marktteilnehmer bereits verkauft haben, nimmt das potenzielle Angebot zusätzlicher Verkäufer möglicherweise ab. Schon eine moderate Verbesserung der Nachrichtenlage oder eine Stabilisierung der Kurse kann dann eine Gegenbewegung auslösen. Professionelle Marktbeobachter sprechen in diesem Zusammenhang häufig von einem überverkauften Markt beziehungsweise einer möglichen Erschöpfung des Verkaufsdrucks.
Entscheidend ist allerdings die Unterscheidung zwischen Stimmung und Trend. Ein niedriger Fear-&-Greed-Wert bedeutet nicht automatisch, dass der S&P 500 seinen Tiefpunkt erreicht hat. In ausgeprägten Bärenmärkten kann die Angst über längere Zeit hoch bleiben, während die Kurse weiter fallen. Die Finanzkrise 2008 und der pandemiebedingte Börsencrash 2020 verdeutlichen, dass extreme Unsicherheit mit erheblichen weiteren Kursbewegungen verbunden sein kann.
Was zeigt die historische Auswertung?
Eine Auswertung der CNN-Daten von 2011 bis April 2025 liefert bemerkenswerte Ergebnisse. Nach Tagen mit extremer Angst (Index unter 25) entwickelte sich der S&P 500 im Durchschnitt positiv:
| Zeitraum nach dem Signal | Durchschnittsrendite | Anteil positiver Ergebnisse |
| 1 Monat | +2,6 % | 73 % |
| 3 Monate | +5,9 % | 78 % |
| 12 Monate | +15,2 % | 86 % |
Quelle: historische Auswertung von Mandala Wealth, Januar 2011 bis April 2025. Die Ergebnisse sind historische Durchschnittswerte, keine Prognose für die aktuelle Situation.
Diese Zahlen stützen die antizyklische Interpretation: Extreme Angst ging in dieser Untersuchung häufig einer positiven Marktentwicklung voraus. Eine wissenschaftliche Studie in Finance Research Letters aus dem Jahr 2025 fand ebenfalls einen statistischen Zusammenhang zwischen dem CNN-Index und den Renditen amerikanischer Aktienindizes. Die Vorhersagekraft war jedoch zeitabhängig und zwischen 2021 und 2024 deutlich schwächer als in früheren Jahren.
Konsequenzen für die aktuelle Marktanalyse
Ein Fear-&-Greed-Wert von 24 ist deshalb ein potenziell konstruktives antizyklisches Signal, aber noch kein eigenständiges Kaufsignal. Für eine belastbare Einschätzung sollte die Stimmung mit der tatsächlichen Marktstruktur abgeglichen werden:
- Marktbreite: Stabilisiert sich die Advance-Decline-Line, obwohl der S&P 500 noch schwach ist?
- Volumen: Lässt der Verkaufsdruck nach, oder dominieren weiterhin Tage mit hohem Abwärtsvolumen?
- Kursverlauf: Bildet der S&P 500 einen Boden aus, oder setzt er seine Abwärtsbewegung mit neuen Tiefs fort?
- Bestätigung: Verbessern sich Momentum und Marktbreite gemeinsam, steigt die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Erholung.
Gerade die Kombination aus Stimmung, Volumen und Marktbreite ist aussagekräftiger als die isolierte Betrachtung eines einzelnen Sentimentindikators.
Fazit: Extreme Angst kann attraktive Einstiegsgelegenheiten markieren, weil negative Erwartungen bereits weitgehend eingepreist sein können. Sie kann aber ebenso Ausdruck einer noch intakten Abwärtsbewegung sein. Der Wert 24 spricht dafür, den Markt aufmerksam auf Stabilisierungssignale zu beobachten – nicht dafür, bereits blind zu kaufen.

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