Top-Chancen der Woche 43-2026

Drei Rohstoffe mit Chancen für Trader: Der Ausblick für die nächsten 6 bis 12 Monate

Bei der Auswahl aussichtsreicher Rohstoffe kommt es nicht allein auf die erwartete Nachfrage an. Für Trader ist entscheidend, ob sich aus einem steigenden Verbrauch, begrenzten Förderkapazitäten, geopolitischen Risiken oder strukturellen Veränderungen ein Angebotsdefizit entwickeln könnte – und ob dieser Effekt am Markt noch nicht vollständig eingepreist ist.

Drei Rohstoffe stehen deshalb auf der Beobachtungsliste: Kupfer, Silber und Uran. Sie bieten unterschiedliche Chancenprofile: Kupfer profitiert von der Elektrifizierung, Silber verbindet industrielle Nachfrage mit seiner Rolle als Edelmetall, und Erdgas kann von saisonalen Schwankungen sowie Wetter- und Angebotsrisiken profitieren.

Die folgenden Einschätzungen sind Szenarien für die kommenden 6 bis 12 Monate, keine Garantie für steigende Kurse. Aktuelle Preise, Lagerbestände und Terminmarktdaten sollten vor einem Einstieg überprüft werden.

 

1. Uran – der strukturelle Engpass bei der Energieversorgung

Uran ist der zentrale Brennstoff für Kernkraftwerke. Die Nachfrage hängt deshalb nicht nur von der allgemeinen Konjunktur ab, sondern vor allem von der Entwicklung der weltweiten Kernenergiekapazitäten. Hinzu kommt ein neuer Treiber: Der stark wachsende Strombedarf von Rechenzentren und KI-Anwendungen erhöht das Interesse an einer zuverlässigen, rund um die Uhr verfügbaren Stromversorgung. Kernenergie rückt dadurch bei Energieversorgern und Regierungen wieder stärker in den Fokus.

Ein wichtiges Ereignis für den Markt ist die im September 2026 veröffentlichte Analyse von Benchmark Mineral Intelligence. Sie sieht den Uranmarkt bereits 2026 in einem leichten strukturellen Defizit und erwartet für 2027 eine mögliche Versorgungslücke von rund 18 Prozent der Nachfrage. Gleichzeitig bleibt die Ausweitung des Minenangebots schwierig: Neue Projekte benötigen lange Vorlaufzeiten, und Förderprobleme können bestehende Produktionspläne beeinträchtigen.

Warum könnte Uran in den kommenden 6 bis 12 Monaten an Attraktivität gewinnen? Wenn Versorger ihre langfristigen Brennstoffverträge ausweiten und zusätzliche Nachfrage auf ein nur langsam wachsendes Angebot trifft, könnte der Markt die künftige Knappheit stärker einpreisen. Für Trader ist insbesondere interessant, dass der Uranpreis nicht zwingend erst bei einem tatsächlichen Versorgungsdefizit reagieren muss: Schon die Erwartung zusätzlicher Käufe kann die Preise und die Kurse von Uranproduzenten bewegen. Allerdings sind Uranaktien häufig deutlich volatiler als der Rohstoff selbst. Ein Teil der Wachstumserwartungen kann zudem bereits in den Aktienkursen stecken.

Idee: ETF für die Umsetzung: Der Global X Uranium UCITS ETF (ISIN IE000NDWFGA5) bietet Zugang zu Unternehmen der Uranindustrie. Alternativ ist der VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF (ISIN IE000M7V94E1) interessant, der neben Uranunternehmen auch weitere Bereiche der Kernenergiebranche abdeckt. Beide sind Aktien-ETFs und bilden daher nicht unmittelbar den Uranpreis ab.

Bild: Wochenchart für Uran-ETF

Der Verkaufsdruck ist noch nicht vorbei. Vor einem Einstieg sollte man auf einen klaren Umkehrversuch des Kurses warten. Die nächste stabilere Unterstützung liegt beim ETF bei 32 USD. Spätestens auf diesem Kursniveau wird sich zeigen, ob neue Käufer den niedrigen Kurs akzeptieren. Langfristig sollte Uran ein gefragtes Metall sein.

 

2. Silber – zwischen Industrienachfrage und Edelmetall-Rally

Silber besitzt eine interessante Doppelrolle. Es wird als Edelmetall für Schmuck und Anlageprodukte verwendet, ist aber zugleich ein wichtiger industrieller Rohstoff. Elektronik, elektrische Kontakte, Photovoltaik und weitere Anwendungen benötigen Silber aufgrund seiner hohen elektrischen Leitfähigkeit. Zusätzliche Impulse könnten aus dem Ausbau von Rechenzentren, der Elektrifizierung und der Automobiltechnik kommen.

Die jüngsten Ereignisse zeigen allerdings, wie heftig der Markt schwanken kann. Nach einem Rekordhoch von mehr als 121 US-Dollar je Unze am 29. Januar 2026 fiel Silber im Jahresverlauf deutlich zurück. Am 22. Oktober meldete Reuters, dass Indien Importgenehmigungen für rund 6.500 Tonnen Silber über die folgenden sechs Monate erteilt hat. Das könnte die Nachfrage stützen, ist aber kein sicherer Beleg für entsprechend hohe tatsächliche Käufe: Die indische Nachfrage nach Schmuck und Anlageprodukten blieb zuletzt verhalten.

Für die nächsten 6 bis 12 Monate ergibt sich daraus ein spannendes, aber zweischneidiges Bild. Eine Erholung der Edelmetalle, fallende Anleiherenditen oder ein schwächerer US-Dollar könnten Silber neuen Auftrieb geben. Zugleich ist das Angebot nur begrenzt flexibel, weil ein erheblicher Teil der Silberförderung als Nebenprodukt anderer Metalle anfällt. Die industrielle Nachfrage ist jedoch nicht uneingeschränkt robust: In der Solarbranche können hohe Preise den sparsamen Materialeinsatz und den Ersatz durch andere Technologien fördern. Die Investmentthese lautet deshalb nicht „Silber muss steigen“, sondern: Eine erneute Welle der Edelmetallnachfrage könnte bei begrenztem Angebotswachstum überproportionale Kursbewegungen auslösen.

Idee: ETC für die Umsetzung: Für einen direkten Zugang zum Silberpreis eignet sich der iShares Physical Silver ETC (ISIN IE00B4NCWG09, WKN A1KWPR). Die laufenden Kosten liegen laut Anbieter bei 0,20 Prozent pro Jahr; das Produkt ist physisch mit Silber hinterlegt. Als kostengünstige Alternative kommt der WisdomTree Core Physical Silver (ISIN JE00BQRFDY49) mit einer Managementgebühr von 0,19 Prozent pro Jahr infrage.

Bild: Wochenchart des Silber-ETF

Bisher hatte sich die Unterstützungszone zwischen 50 und 55 USD als zuverlässig erwiesen. Was nicht ganz ins Schema passt, ist der Verkaufsdruck der vergangenen drei Wochen. Ebenso fehlt im Moment die klassische bullishe Divergenz im Momentum für eine Umkehr. Unter diesen Voraussetzungen bietet Silber kein sofortiges Kaufsignal. In der Kurshistorie von Silber gab es allerdings schon starke Rallyes. Sehr oft bildete sich dann im November oder Dezember ein endgültiges Tief. Aus saisonaler Sicht kommt die stärkste Anstiegsphase bei Silber zwischen Januar und Mai. Man darf gespannt sein.

 

3. Kupfer – der Rohstoff der Elektrifizierung

Kupfer ist unverzichtbar für Stromleitungen, Transformatoren, Elektromotoren, Gebäudetechnik und zahlreiche elektronische Komponenten. Die Elektrifizierung der Wirtschaft macht den Rohstoff zu einem wichtigen Bestandteil des Infrastrukturumbaus. Hinzu kommen der Ausbau von Stromnetzen und die Errichtung neuer Rechenzentren, deren Stromversorgung und Kühlung erhebliche Mengen an elektrischer Infrastruktur benötigen.

Ein entscheidender Faktor bleibt die Angebotsseite. Bestehende Minen leiden teilweise unter sinkenden Erzgehalten, während neue Förderprojekte viel Kapital und Zeit benötigen. Gleichzeitig können Unfälle, politische Eingriffe oder technische Probleme die Produktion einzelner Großminen beeinträchtigen. S&P Global sieht in seiner Analyse vom Oktober 2026 gerade bei Kupfer Aufwärtsrisiken, weil eine widerstandsfähige Nachfrage auf Engpässe bei der Verfügbarkeit trifft.

Für Trader ist allerdings eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Nachfragegeschichte allein garantiert keine Hausse. Die Internationale Kupferstudiengruppe erwartet in ihrer Prognose vom 14. Oktober 2026 für den raffinierten Kupfermarkt einen Überschuss von rund 104.000 Tonnen im Jahr 2026 und 368.000 Tonnen im Jahr 2027. Das spricht gegen eine einfache Knappheitswette. Kupfer wird vor allem dann interessant, wenn die tatsächliche Nachfrage stärker ausfällt als erwartet, Produktionsausfälle zunehmen oder sich die Marktprognosen wieder in Richtung eines Defizits verschieben.

Idee: ETC für die Umsetzung: Eine Möglichkeit ist der WisdomTree Copper (ISIN GB00B15KXQ89). Er bildet einen Kupfer-Futuresindex synthetisch ab; die laufenden Kosten betragen 0,49 Prozent pro Jahr. Wichtig: Futuresbasierte Produkte können durch Rollverluste oder Rollgewinne von der Entwicklung des Kassapreises abweichen. Der physisch besicherte Elementum Physical Copper ETC (ISIN XS2314659447) ist eine Alternative, allerdings ist sein ausgewiesenes Fondsvolumen klein. Liquidität und Geld-Brief-Spanne sollten vor einem Handel besonders sorgfältig geprüft werden.

Bild: Wochenchart des Kupfer-ETF

Es scheint, als ob Kupfer eine Verschnaufpause benötigt. Der Kurs hat immer mehr Probleme, neue Hochs auszubilden. Sollte der eingezeichnete Trendkanal brechen, könnte es kurzfristig zu Gewinnmitnahmen kommen. Mittelfristig stellt Kupfer allerdings eine Kaufchance dar.

 

Welche Anlagechance ist am interessantesten?

Rohstoff Wichtigster Kurstreiber Hauptrisiko Einschätzung
Uran Neue Kernkraftkapazitäten und begrenztes Minenangebot Hohe Bewertung und volatile Uranaktien Strukturell besonders interessant
Silber Edelmetallnachfrage und begrenzte Angebotsflexibilität Starke Preisschwankungen, schwächere Industrienachfrage Interessant für aktive Trader
Kupfer Elektrifizierung und KI-Infrastruktur Erwarteter Angebotsüberschuss 2027 Interessant bei bestätigter Trendwende

 

Fazit: Für einen Anlagehorizont von 6 bis 12 Monaten wäre Uran und Silber interessant. Bei Uran überzeugt die strukturelle Angebots-Nachfrage-Konstellation, während Silber zusätzlich von einer möglichen Erholung der Edelmetalle profitieren könnte. Kupfer bleibt ein überzeugender langfristiger Wachstumskandidat, benötigt angesichts der aktuellen Überschussprognose aber eine sorgfältigere technische Bestätigung.

Noch ein wichtiger Punkt: Ein Rohstoff-ETC ist nicht automatisch mit einem ETF gleichzusetzen. Physisch besicherte ETCs, Futures-ETCs und Aktien-ETFs auf Minenunternehmen besitzen unterschiedliche Risiken. Bei allen drei Anlageideen sollten außerdem der US-Dollar, die Kosten und die jeweilige Produktstruktur berücksichtigt werden. Die genannten Produkte sind Beispiele für den Marktzugang, keine pauschalen Kaufempfehlungen.

 

 

 

Hinweis: Die Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Alle Investitionen in Wertpapiere sind grundsätzlich mit Chancen und Risiken verbunden.

 

 

 

Infos zu den verwendeten Indikatoren:

Im zentralen Kurschart befinden sich drei gleitende Durchschnitte. Diese sind als einfache MA20, MA50 und MA100 dargestellt. Sie dienen der schnellen Einordnung des Trends. Ein Trend ist besonders stark, wenn alle GDs in die gleiche Richtung zeigen.

Der untere Indikator ist eine Kombination aus den bekannten Standardindikatoren RSI und MFI. Beide Indikatoren besitzen die gleiche Skalierung von 0 bis 100, wobei der MFI schneller reagiert als der RSI. Der MFI enthält in seiner Berechnung das Handelsvolumen, wodurch er dynamischer wird. Es gilt die Regel: Der MFI treibt den RSI an! Das Verhalten institutioneller Marktteilnehmer lässt sich erahnen, da sie mit ihrem hohen Handelsvolumen den Markt beeinflussen. In einem bullishen Zustand liegt der MFI über dem RSI. Für einen Aufwärtstrend übertrifft der MFI den Grenzwert von 60. In einer bullishen Konsolidierung läuft der RSI in Richtung der 50er-Mittellinie, während der MFI darüber liegt. In Bärenmärkten führt der MFI die Abwärtswellen an und unterschreitet den Grenzwert von 40.

 

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