Wheel: Wenn Optionshändler ein Rad abhaben …

Kennen Sie die VTAD? Das ist die wichtigste Vereinigung zur Förderung der technischen Analyse in Deutschland. Die überwiegend aus ambitionierten Privatbörsianern bestehenden Mitglieder treffen sich einmal im Monat. Ich bin auch immer dabei und seit einiger Zeit bereite ich mir das Vergnügen, „neue” Optionshändler auf ihre psychologischen Fehler hinzuweisen.

Manchmal entstehen „Modetrends“ an der Börse und einer davon ist der Optionshandel als Stillhalter. Der professionelle Stillhalter erhält für seine Tätigkeit Prämien und die Beträge kann man als „Versicherungsprämie“ verstehen. Der Profi verdient kontinuierlich kleine Geldbeträge in dem er Ereignisse definiert, die nicht eintreffen. Genauso macht es eine Versicherung, die zum Beispiel eine Unfallversicherung anbietet und nur Versicherungsnehmer auswählt, die ein niedriges Unfallrisiko mitbringen. Soweit so gut, aber für viele neue Börsianer ist der Optionshandel ein völlig neues Geschäft, das natürlich seine eigenen Risiken mit sich bringt, darunter auch psychologische Fallen.

Eine psychologische Falle wird bei der Wheel-Strategie besonders deutlich. Ein Teil davon ist der einfache Handelsansatz des Cash Secured Puts. Dabei verkauft der Optionshändler in der Regel eine Aktienoption und erhält dafür sofort eine Prämie auf sein Konto gutgeschrieben. Diese Optionsstrategie lädt geradezu dazu ein, einen psychologischen Handelsfehler zu begehen. Da der durchschnittliche Börsianer etwas gierig ist, neigt er dazu, möglichst hohe Prämien zu verlangen. Dabei vergisst er jedoch, dass hohe Prämien mit erhöhten Risiken einhergehen. Genauso wie im Versicherungsgeschäft. So kann es passieren, dass die Handelsidee mit einem Cash Secured Put danebengeht und die Aktie zu einem teuren Preis ins Depot eingebucht wird. Nun muss sich der Optionstrader überlegen, wie er mit seiner neuen Position verfahren möchte. Sogleich fällt ihm die Wheel-Strategie ein, bei der er auf seine neue Aktienposition Call-Optionen (Covered Calls) verkaufen kann. Jetzt soll sich das Rad (Wheel) drehen, in dem abwechselnd Puts oder Calls verkauft werden.

In den meisten Fällen sucht sich der Optionsanfänger auch eine „Lieblingsaktie“ aus und erzählt selbstbewusst, dass er diese Aktie richtig gut findet und gerne in seinem Depot hätte. Deshalb wäre es nicht so schlimm, wenn der Cash Secured Put danebengeht.

Das ist handwerklich kompletter Unsinn, denn der professionelle Stillhalter ist auf die Prämieneinnahme fokussiert und nicht auf die Aktie. Wenn Sie sich ein bisschen mit dem Optionshandel auskennen, dann wissen Sie, dass der Ausübungspreis (Strike) darüber entscheidet, ob Sie die Aktie ins Depot bekommen. Und den Ausübungspreis bestimmen Sie als Stillhalter selbst. Wenn Sie die Aktie wirklich gut finden und im Depot haben wollen, dann warten Sie nicht ein halbes Jahr, bis Sie irgendwann den Ausübungspreis falsch wählen und die Aktie danach ins Depot gebucht bekommen. Wenn Sie auf die Prämieneinnahmen fokussiert sind — alles fein, aber dann sollten Sie Ihr Risiko genau kennen, damit Sie die Aktie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ins Depot gebucht bekommen. Sollte das trotzdem passieren, dann haben Sie einen Handelsfehler gemacht. Stehen Sie dann auch zu Ihrem Fehler und reden Sie sich bitte nicht ein, dass Sie die Aktie so toll finden, dass Sie sie gerne teuer im Depot hätten. Das Gerede von der Lieblingsaktie ist nichts anderes als die Leugnung, einen Handelsfehler begangen zu haben, und das führt irgendwann zu einem Riesenverlust. Gerade fällt mir ein, was ist für ein komischer Begriff „Lieblingsaktie“ ist. Das Wort allein ist schon ein Handelsfehler!

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