Top-Chancen der Woche 40-2026

Für einen Trader mit einem Anlagehorizont von sechs bis zwölf Monaten könnte man derzeit vor allem auf Rohstoffe setzen, bei denen nicht nur die Konjunktur, sondern ein struktureller Nachfrageimpuls auf ein begrenztes Angebot trifft. Unter diesem Blickwinkel sind Kupfer, Uran und Silber besonders interessant. Das ist keine kurzfristige Kursprognose, sondern eine fundamentale Auswahl nach den derzeit erkennbaren Nachfrage- und Angebotsfaktoren.

 

Kupfer – der klassische Profiteur von Elektrifizierung und KI

Kupfer ist das Industriemetall schlechthin für die Elektrifizierung. Es steckt in Stromkabeln, Transformatoren, Elektromotoren, Netzen, Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen und vor allem in der Infrastruktur rund um Rechenzentren. Genau diese Kombination macht Kupfer für die kommenden sechs bis zwölf Monate interessant. Bemerkenswert ist die aktuelle Situation auf der Angebotsseite: Die chinesische Hüttenindustrie kämpft inzwischen mit einem erheblichen Mangel an Kupferkonzentrat.

Reuters berichtete am 2. Oktober, dass Chinas Wettbewerbsbehörde sogar bei der geplanten Übernahme von Teck durch Anglo American auf eine gesicherte Versorgung chinesischer Hütten mit Kupferkonzentrat drängt. China produziert bis zu 60 Prozent des weltweit raffinierten Kupfers, während das Wachstum der chinesischen Raffinerieproduktion 2026 so langsam ausfallen soll wie seit mindestens 2000 nicht mehr.

Gleichzeitig sind die sogenannten Treatment and Refining Charges (TC/RC), also die Gebühren für die Verarbeitung von Kupferkonzentrat, auf historische Tiefstände gefallen. Die IEA wertet dies als Zeichen dafür, dass das Angebot an Konzentrat mit der wachsenden Hütten­kapazität nicht Schritt hält. Für Trader entsteht damit eine interessante Konstellation: KI-Rechenzentren und Netzausbau erhöhen die strukturelle Nachfrage, während neue Minen nur mit großer zeitlicher Verzögerung auf den Markt kommen. S&P Global sieht bereits eine drohende Angebotslücke bei Kupfer durch Elektrifizierung und KI-Infrastruktur.

Was bietet sich als Handelsobjekt für Kupfer an?

ETF/ETC: Für einen möglichst direkten Rohstoff-Trade bietet sich der WisdomTree Copper ETC (ISIN GB00B15KXQ89) an. Er bildet Kupfer-Futures ab, kostet 0,49 Prozent jährlich und hat inzwischen rund 1,75 Milliarden Euro Volumen. Wer das Währungsrisiko gegenüber dem Euro reduzieren möchte, kann auf den WisdomTree Copper – EUR Daily Hedged (ISIN JE00B4PDKD43) zurückgreifen. Auch dieser ETC kostet 0,49 Prozent.

Bild: Kupferkurs abgebildet über der US-Copper-ETF (CPER)

Der Aufwärtstrend für Kupfer hält ununterbrochen an. Der Money Flow-Indikator verläuft in der Regel über den RSI, was darauf hindeutet, dass institutionelle Marktteilnehmer mit hoher Kaufkraft den Kurs antreiben. Die aktuellen Kursmuster deuten darauf hin, dass der Kurs des ETFs noch einige Wochen lang bei etwa 40 USD verharren könnte. Anschließend sind höhere Kurse wahrscheinlich. Das Bild ändert sich jedoch abrupt, wenn der Kupfer-ETF unter 35 USD fällt. In diesem Fall wären die Bären an der Macht.

 

Uran – die Rückkehr der Kernenergie trifft auf ein träges Angebot

Uran unterscheidet sich von Kupfer und Silber dadurch, dass die Nachfrage weniger vom kurzfristigen Konjunkturzyklus abhängt. Uran ist der Brennstoff für Kernkraftwerke und damit ein unverzichtbarer Bestandteil der weltweiten Kernenergieproduktion. Nach Jahren, in denen neue Kernkraftwerke politisch teilweise unerwünscht waren, erlebt die Branche inzwischen eine deutliche Renaissance. Besonders interessant ist die Verbindung von Kernenergie und dem enorm steigenden Strombedarf von Rechenzentren und KI.

Gleichzeitig kann die Angebotsseite nur langsam reagieren. Die aktuelle Ausgabe des gemeinsamen „Red Book“ von OECD Nuclear Energy Agency und IAEA zeigt, dass weltweit weiterhin erhebliche Investitionen in Uranexploration, Minen und Produktionskapazitäten erforderlich sind, während gleichzeitig die Zahl der geplanten und betriebenen Reaktoren steigt. Mining.com berichtet zudem, dass Uranproduzenten zwar versuchen, ihre Förderung auszuweiten, lange Entwicklungszeiten neuer Minen aber das Risiko erhöhen, dass das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt.

Für Trader ist dabei besonders interessant, dass Uran nicht einfach wie Kupfer über den Spotmarkt gehandelt wird. Ein großer Teil des Marktes basiert auf langfristigen Lieferverträgen. Steigende Nachfrage führt daher häufig zunächst zu einem Wettlauf der Versorger um langfristige Lieferungen. Die daraus entstehende Verknappung kann zeitverzögert auf die Preise durchschlagen. WisdomTree sieht ebenfalls eine bereits angespannte Versorgungslage und verweist auf die langen Vorlaufzeiten für neue Minen. Das macht Uran zu einem Rohstoff, bei dem die Fundamentaldaten eher einen mittelfristigen als einen kurzfristigen Trade unterstützen.

Was bietet sich als Handelsobjekt für Uran an?

ETF: Bei Uran gibt es in Europa keinen klassischen ETC, der einfach den Uran-Spotpreis abbildet. Für Trader ist deshalb ein Aktien-ETF auf Uranproduzenten und die Kernenergie die praktikablere Lösung. Interessant ist beispielsweise der WisdomTree Uranium and Nuclear Energy UCITS ETF (WKN/ISIN IE0003BJ2JS4, Ticker NCLR). Er hält 44 Unternehmen aus Uran- und Nuklearindustrie und hat eine TER von 0,45 Prozent. Alternativ bietet der Global X Uranium UCITS ETF (WKN A3DC8S) einen stärker auf Uranexploration, -abbau und -verarbeitung ausgerichteten Zugang; TER 0,65 Prozent. Wichtig für Trader: Ein Uran-Aktien-ETF ist kein reiner Uranpreis-Trade. Unternehmensrisiken und die hohe Aktienvolatilität kommen hinzu.

Bild: Preisverlauf des URAN-ETF (URA)

Der Kursverlauf bietet eine gute Konstellation für einen Einstieg im Retracement. Der Aufwärtstrend ist langfristig gegeben und gleichzeitig haben sich die Uran-Kurse reduziert, wodurch sich die überkaufte Spannung abgebaut hat. Börsenpsychologisch ist der Markt in Bereitschaft für höhere Kurse.

 

Silber – Industriemetall und monetärer Rohstoff in einem

Silber hat eine ungewöhnliche Doppelrolle: Einerseits ist es Edelmetall und wird als Investment gekauft, andererseits ist es ein wichtiger Industriemetall-Rohstoff. Verwendet wird Silber unter anderem in Elektronik, Elektrotechnik, Automobiltechnik, Lötlegierungen und Photovoltaik. Gerade die industrielle Seite ist für die nächsten Monate allerdings ambivalent. Der Silver Institute erwartet für 2026 zwar einen sechsten aufeinanderfolgenden Jahresdefizit des Silbermarktes, gleichzeitig dürfte die industrielle Nachfrage wegen des geringeren Silberverbrauchs pro Solarzelle zurückgehen.

Die Entwicklung ist deshalb weniger eindeutig als bei Kupfer. Interessant wird Silber durch die Kombination aus weiterhin hoher industrieller Bedeutung, begrenztem Angebot und Investmentnachfrage. Besonders wichtig ist dabei, dass Silber häufig als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle gewonnen wird. Ein stark steigender Silberpreis führt deshalb nicht automatisch zu einem entsprechend schnellen Anstieg des Minenangebots. Das Silver Institute erwartet für 2026 trotz steigender Minenproduktion erneut ein Marktdefizit. Gleichzeitig darf man die hohe Bewertung und Volatilität nicht unterschätzen: Silber hat bereits eine außergewöhnliche Preisbewegung hinter sich und kann entsprechend heftig korrigieren. Für einen Trader ist deshalb weniger die Frage interessant, ob Silber langfristig benötigt wird, sondern ob Nachfrage, Investmentzuflüsse und das physische Defizit weiterhin ausreichen, um die aktuelle Preisstruktur zu tragen.

ETC: Für einen möglichst direkten Silber-Trade bietet sich der iShares Physical Silver ETC (WKN A1KWPR, ISIN IE00B4NCWG09) an. Er ist physisch besichert, hat eine TER von 0,20 Prozent und verfügte zuletzt über rund 3,34 Milliarden US-Dollar verwaltetes Vermögen. Für einen Trader ist dieser Ansatz transparenter als ein Silberminen-ETF, weil man sich damit stärker am Silberpreis und weniger an den operativen Risiken einzelner Bergbauunternehmen orientiert.

Bild: Wochenchart des Silber-ETFs (SLV)

Der Kurs ist in einen wichtigen Kursbereich eingedrungen. Bei 50 USD ist eine Unterstützung zu erwarten. Dabei ist allerdings zu bemerken, dass eine Volumenanalyse noch keine Kaufbereitschaft der Bullen zeigt. Die kleine Anstiegsbewegung im August fiel dürftig aus. Man könnte auch sagen, dass sich wenige Bullen gegenüber wenigen Bären durchgesetzt haben. Nun stellt sich die Frage: Wo sind die Anschlusskäufe? Die Entscheidung für einen neuen Richtungsimpuls (bullish oder bearish) ist noch nicht gefallen.

 

Fazit aus Sicht eines Traders: Kupfer bietet derzeit den klarsten direkten Zusammenhang zwischen Nachfragewachstum und Angebotsengpass. Uran besitzt möglicherweise den längeren strukturellen Hebel, ist über Aktien-ETFs aber wesentlich volatiler. Silber wiederum ist der am stärksten von Investmentströmen und dem Edelmetallkomplex beeinflusste Kandidat.

Für einen 6–12-Monats-Trade ist Kupfer attraktiv – nicht im Sinne einer Rendite-Rangliste, sondern weil hier derzeit mehrere Nachfragekomponenten gleichzeitig zusammenlaufen: Netzausbau, Elektrifizierung, Rechenzentren und KI-Infrastruktur treffen auf eine sichtbar angespannte Konzentratsversorgung. Die jüngsten Entwicklungen in China sind dabei ein wichtiger Frühindikator.

 

Hinweis: Bei ETCs und Rohstoff-ETFs kommen neben dem Rohstoffpreis unter anderem Währungs-, Futures-Roll- und Emittenten-/Strukturrisiken hinzu. Die genannten Produkte sind daher Instrumente zur Umsetzung eines Rohstoff-Trades, keine Garantie für eine entsprechende Entwicklung des jeweiligen Kassapreises.

Die Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Alle Investitionen in Wertpapiere sind grundsätzlich mit Chancen und Risiken verbunden.

 

 

 

Infos zu den verwendeten Indikatoren:

Im zentralen Kurschart befinden sich drei gleitende Durchschnitte. Diese sind als einfache MA20, MA50 und MA100 dargestellt. Sie dienen der schnellen Einordnung des Trends. Ein Trend ist besonders stark, wenn alle GDs in die gleiche Richtung zeigen.

Der untere Indikator ist eine Kombination aus den bekannten Standardindikatoren RSI und MFI. Beide Indikatoren besitzen die gleiche Skalierung von 0 bis 100, wobei der MFI schneller reagiert als der RSI. Der MFI enthält in seiner Berechnung das Handelsvolumen, wodurch er dynamischer wird. Es gilt die Regel: Der MFI treibt den RSI an! Das Verhalten institutioneller Marktteilnehmer lässt sich erahnen, da sie mit ihrem hohen Handelsvolumen den Markt beeinflussen. In einem bullishen Zustand liegt der MFI über dem RSI. Für einen Aufwärtstrend übertrifft der MFI den Grenzwert von 60. In einer bullishen Konsolidierung läuft der RSI in Richtung der 50er-Mittellinie, während der MFI darüber liegt. In Bärenmärkten führt der MFI die Abwärtswellen an und unterschreitet den Grenzwert von 40.

 

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