Dividenden sind etwas für Esel

Die etwas andere Meinung zu Dividendenaktien:

Die Überschrift ist provokant – und genau so gemeint. In den kommenden Monaten finden zahlreiche Hauptversammlungen statt, auf denen über Dividenden entschieden wird. Die meisten Börsianer lieben diese Ausschüttungen und kaufen Dividendentitel oft schon einige Monate vorher. Es gibt sogar ausgefeilte Strategien, zum Beispiel für Dividendenaristokraten. Das sind Unternehmen, die ihre Dividendenzahlungen über einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren kontinuierlich steigern konnten. Dieser Enthusiasmus lässt sich zumindest in Deutschland nur schwer nachvollziehen.
Im Kern sind alle Dividendenauszahlungen unternehmensschädlich, und die anschließende Besteuerung ist staatlich organisierter Diebstahl. Genau dieser Diebstahl macht eine Dividendenaktie besonders unattraktiv.

Der Staat raubt den Aktionär aus.

Ein Rechenbeispiel macht es deutlich: Angenommen, eine Aktiengesellschaft ist börsennotiert und ihre Aktie kostet 100 Euro. Ein Aktionär hält genau eine Aktie des Unternehmens. Das Unternehmen beschließt, eine Dividende von vier Euro pro Aktie auszuschütten, was einer Dividendenrendite von vier Prozent entspricht. Am Tag der Dividendenzahlung erhält der Aktionär die vier Euro ausgezahlt, von denen 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag abgezogen werden. Da das Unternehmen von den Börsianern anschließend jedoch ex-Dividende bewertet wird, fällt der Aktienkurs sofort danach auf 96 Euro. Rein rechnerisch bedeutet dies, dass die Dividendenzahlung für den Aktionär wertneutral ist. Er erhält die Dividende aus der Substanz des Unternehmens. Er hat keinen Vermögenszuwachs und muss dann auch noch Steuern auf die Dividendenzahlung entrichten. Klingt das nicht wie staatlich organisierter Diebstahl? 

Die Dividende ist ein Aderlass des Unternehmens.

Lassen Sie uns über die Auswirkungen von Dividendenzahlungen sprechen. Normalerweise kauft ein Aktionär eine Aktie, um dem Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen und eine Wertsteigerung zu erzielen. Die Wertsteigerung macht sich dann in Form einer Kurssteigerung im Portfolio des Aktionärs bemerkbar. Im Hintergrund steht dabei stets ein erfolgreiches Geschäftsmodell, das einen positiven Nutzen für seine Kunden erzeugt. Dies ist auch das Grundprinzip jedes Unternehmens. Man stellt privates Kapital zur Verfügung, um eine Geschäftsidee wachsen zu lassen. Dividendenzahlungen bewirken jedoch das Gegenteil. Denn das Unternehmen zahlt die Dividende immer aus seiner Substanz und schwächt sich damit selbst. Der Aktionär zieht also einen Teil seines Vermögens für private Zwecke ab und schwächt das Unternehmen damit. Nach der Dividendenzahlung hofft der Aktionär, dass sich das Unternehmen innerhalb eines Jahres wieder erholt, damit die nächste Schwächung in Form einer Dividende wieder erfolgen kann.

Was sagt eine Dividende über das Unternehmen aus?

Ein Unternehmen, das eine Dividende zahlt, drückt damit aus, dass es eine Reifephase erreicht hat, in der ein überdurchschnittliches Unternehmenswachstum kaum noch möglich ist und das Management auch keine Ideen mehr hat. Ein „echtes“ Wachstumsunternehmen steigert kontinuierlich den Unternehmenswert und hat auch kein Geld übrig, das an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnte. 

Aus einer strengen Sicht ist die Zahlung einer Dividende ein negatives Signal, die Aktie zu meiden. Besser ist es, nach neuer Wertschöpfung zu suchen und den Fortschritt voranzutreiben. Es gibt immer attraktive Unternehmen, die dringend Kapital für ihr hervorragendes Geschäftsmodell suchen. Genau dafür ist die Aktionärskultur da — und nicht mickrige für Dividendenrenditen. Der klassische Dividendenanleger verhält sich wie ein fauler Investor, weil er auf Nummer sicher gehen will und nicht an Wertsteigerungen interessiert ist. In Ordnung, vielleicht ist es dann nur gerecht, wenn der Staat diese Esel melkt.

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