Die Frage, ob die Börse süchtig macht, ist hochinteressant. Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass es normal ist, dass es einen kleinen Anteil suchterkrankter Menschen gibt. Jeder kennt sie, denn sie kennen kein Maß, weder beim Alkohol, beim Spielen noch beim Sport. Es gibt jedoch auch eine andere Perspektive, die man typischerweise nicht als suchtbezogen einordnen würde. In diesem Zusammenhang ist eine Studie von B. F. Skinner aufschlussreich. Er war ein Psychologe, der sich auf Verhaltenspsychologie spezialisiert hatte.
Während des Zweiten Weltkriegs führte Skinner ein Taubenexperiment durch. Sein Forschungsziel war es, Tauben so zu konditionieren, dass sie zur Steuerung von Raketen eingesetzt werden können. Er ließ trainierte Tauben auf einen Bildschirm picken, der als Zielobjekt diente. Um die Tauben zu trainieren, arbeitete er mit Futter. Jedes Picken auf den Bildschirm wurde mit Futter belohnt, um das gewünschte Verhalten zu verstärken. Dabei zeigte sich ein bestimmtes Verhaltensmuster. Tauben, die nach dem Picken nicht belohnt wurden, verloren schnell das Interesse. Die Tauben, die sofort gefüttert wurden, nachdem sie das Ziel getroffen hatten, wiederholten ihr Picken so lange, bis sie satt waren. Anschließend verloren sie auch das Interesse. Die dritte Kategorie bietet nun eine kleine Offenbarung. Die Tauben der dritten Gruppe wurden nicht automatisch, sondern zufällig gefüttert. Der Effekt: Die Tauben entwickelten ein Suchtverhalten. Sie kreisten sogar mit dem Kopf oder fingen an, ihn schwingen zu lassen. Noch erstaunlicher war, dass sie nicht mehr aufhören konnten mit dem Picken. Es gab kein Ende, selbst wenn sie schon satt waren.
Auch bei der Börse gibt es zufällige Kurse, und diese Zufälligkeit ist das süchtigmachende Phänomen. Das gesamte Geschäftsmodell in Las Vegas und allen Spielcasinos basiert auf dem Zufallsprinzip. Noch krasser: Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Social-Media-Algorithmen funktionieren? Genau, durch provozierten Zufall! Insbesondere TikTok, YouTube Shorts und Instagram Reels nutzen diese süchtigmachende Funktion in ihrem Algorithmus. Hier werden zufällig interessante Kurzvideos angezeigt, die den Zuschauer in eine süchtig machende Glotzmaschine verwandeln. So kommt es, dass aus 20 Sekunden plötzlich zwei Stunden werden, sofern Sie sich TikTok-Videos ansehen.
Nehmen wir an, Sie schauen Katzenvideos, weil Sie diese so niedlich finden. Damit Sie konstant bei der Sache bleiben, werden Ihnen nicht nur themenbezogene Katzenvideos angezeigt, sondern auch andere zufällige Videos vorgeschlagen. Was passiert? Sie warten gespannt auf das nächste Katzenvideo. Das Phänomen des Zufalls macht eben süchtig. Genau derselbe Mechanismus läuft beim Börsenhandel ab. Die Zufälligkeit der Kurse führt dazu, dass die Trader stundenlang auf den Bildschirm starren.

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