Top-Chancen der Woche 35-2026

Fed-Chef Kevin Warsh und die Zinswende – kommt die nächste Zinserhöhung?

Im Mittelpunkt der vergangenen Börsenwoche stand eindeutig die US-Notenbank Federal Reserve und ihr neuer Vorsitzender Kevin Warsh. Sein Auftritt beim traditionellen Notenbanktreffen in Jackson Hole wurde von den Märkten mit ungewöhnlich großer Spannung erwartet. Hintergrund waren die hartnäckige Inflation, hohe Staatsausgaben und die Frage, wie unabhängig die Fed unter dem politischen Druck der Trump-Regierung tatsächlich agieren kann. Nach seiner Rede stiegen die Erwartungen der Händler für eine Zinserhöhung. Die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen reagierten entsprechend.

Warsh stellte klar, dass die Fed an ihrem Inflationsziel von 2 Prozent festhält. Sollte sich die Notenbank nicht davon überzeugen können, dass die zugrunde liegende Inflation nachhaltig zurückgeht, müsse sie handeln. Für die Börse ist das relevant, weil die hohe Bewertung insbesondere der US-Technologiewerte stark von der Erwartung niedriger beziehungsweise fallender Zinsen abhängt.

Für Trader bedeutet das: Der Zinsmarkt ist wieder ein zentraler Taktgeber für Aktien, Dollar und Gold. Steigende Zinserwartungen können insbesondere hoch bewertete Wachstumsaktien unter Druck setzen, während Banken und andere zinssensitive Unternehmen profitieren können. Gleichzeitig wird der US-Dollar attraktiver, wenn die Zinsdifferenz gegenüber Europa steigt.

Mögliche Anlageidee:
Eine interessante taktische Positionierung könnte eine Übergewichtung von US-Finanzwerten gegenüber hoch bewerteten US-Growth-Aktien sein. Wer stärker auf die Zinsentwicklung setzen möchte, könnte außerdem Gold und den US-Dollar beobachten. Besonders interessant erscheint derzeit die Kombination aus Long-Dollar/Short-Nasdaq, falls sich die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen verfestigen. Das ist allerdings eine kurzfristige Makro-Wette und entsprechend risikoreich.

 

Nvidia und die nächste Phase des KI-Booms – reicht das Gewinnwachstum noch aus?

Das zweite große Thema war Nvidia und die Frage, ob der KI-Boom tatsächlich noch genügend Wachstumspotenzial besitzt, um die inzwischen extrem hohen Erwartungen der Anleger zu rechtfertigen. Nvidia ist mittlerweile weit mehr als ein einzelner Chiphersteller: Die Quartalszahlen des Unternehmens gelten als wichtiger Stimmungsindikator für die gesamte KI-Infrastrukturbranche.

Nvidia meldete für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,22 Dollar. Die Erwartungen der Analysten lagen bei 92,37 Milliarden Dollar Umsatz und 2,10 Dollar Gewinn je Aktie. Für das dritte Quartal stellte Nvidia rund 108 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht – ebenfalls mehr als erwartet.

Nicht jede gute KI-Nachricht führt automatisch zu steigenden Aktienkursen. Die Anleger beginnen zunehmend zu fragen, wie lange die enormen Investitionen in Rechenzentren und KI-Chips noch mit ähnlich hohen Wachstumsraten fortgesetzt werden können. Nvidia konnte zwar mit seinen Zahlen überzeugen, gleichzeitig gerieten andere Chipwerte unter Druck.

Besonders deutlich wurde dies bei Marvell Technology. Nach den Quartalszahlen verlor die Aktie am Freitag zeitweise rund 8 Prozent. Anleger störten sich unter anderem daran, dass die Erwartungen an die Auswirkungen eines großen Custom-Chip-Geschäfts mit Google nicht ausreichend schnell in den Prognosen sichtbar wurden.

Die entscheidende Frage für Börsianer hat sich damit verändert. Es geht nicht mehr darum, ob KI ein langfristiger Wachstumstrend ist. Das wird kaum noch bestritten. Entscheidend ist vielmehr, ob die Unternehmen die gigantischen Investitionen in KI-Infrastruktur auch wirtschaftlich rechtfertigen können.

Nvidia befindet sich dabei in einer außergewöhnlich starken Position. Die Rekordzahlen zeigen, dass die Nachfrage nach seinen KI-Beschleunigern weiterhin enorm ist. Gleichzeitig entstehen neue Wettbewerbsstrukturen: Google, Amazon und andere Technologiekonzerne entwickeln eigene Chips, um ihre Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Gleichzeitig investiert Nvidia selbst immer stärker in das KI-Ökosystem.

Für Trader entsteht daraus ein interessanter Gegensatz: Die Fundamentaldaten der KI-Branche bleiben stark, während die Ansprüche des Aktienmarktes immer höher werden. Genau das erhöht die Volatilität. Gute Nachrichten können dann bereits „eingepreist“ sein und zu Gewinnmitnahmen führen.

Mögliche Anlageidee:
Statt ausschließlich auf Nvidia zu setzen, erscheint ein breiterer KI-Infrastruktur-Ansatz interessant. Neben Nvidia könnten Unternehmen aus den Bereichen Halbleiterfertigung, Speicher, Netzwerktechnik und Rechenzentren profitieren. Für Trader bietet sich insbesondere die Beobachtung von Nvidia, Broadcom, Micron und Marvell an. Nach den Nvidia-Zahlen könnte zudem ein klassischer „Buy-the-dip“-Ansatz bei fundamental starken KI-Aktien interessant werden – allerdings erst dann, wenn sich technisch eine Bodenbildung zeigt.

Bild: Wochenchart der Nvidia-Aktie

Die technische Ausgangslage hinsichtlich der Deutung des Money Flows kann als neutral angesehen werden. Nach den Quartalszahlen gab es zunächst einen bullishen Schub, der anschließend jedoch wieder verpuffte. Solange der Kurs um 210 USD pendelt, befindet sich die Aktie in einer neutralen Lage mit leichter bullisher Tendenz. Ein Rückfall unter 200 USD sollte allerdings ausbleiben. Dies wäre ein Signal dafür, dass Marktteilnehmer ihre Kursgewinne mitnehmen und das Geld in andere Aktien investieren.

 

 

PayPal verliert den Übernahmepoker – was ist das Unternehmen ohne Übernahmefantasie wert?

Am Freitag sorgte schließlich PayPal für einen der spektakulärsten Einzelaktien-Moves des Tages. Die Nachricht: Stripe und der Finanzinvestor Advent International haben ihre geplante Übernahme von PayPal aufgegeben. Im Raum stand eine Transaktion von mehr als 53 Milliarden Dollar, die zu den größten Übernahmen der Fintech-Geschichte gehört hätte.

Die Nachricht wurde am 28. August bekannt und schlug unmittelbar an der Nasdaq ein. Die PayPal-Aktie verlor zeitweise deutlich mehr als zehn Prozent. Reuters berichtete von einem Rückgang um rund 13 Prozent im Handelsverlauf. Damit verschwand innerhalb weniger Stunden ein erheblicher Teil der zuvor vorhandenen Übernahmefantasie aus der Aktie.

Die Ironie dabei: Noch im Juli hatten Stripe und Advent einen Kaufpreis von 60,50 Dollar je PayPal-Aktie beziehungsweise mehr als 53 Milliarden Dollar ins Gespräch gebracht. Der damalige Preis entsprach einem deutlichen Aufschlag auf den damaligen Aktienkurs.

Die Geschichte zeigt exemplarisch, wie stark Übernahmefantasie die Bewertung einer Aktie beeinflussen kann. PayPal kämpft seit Jahren mit einem schwierigeren Wettbewerbsumfeld. Unternehmen wie Apple, Block, Adyen, Stripe und zahlreiche andere Zahlungsdienstleister haben den Wettbewerb im digitalen Zahlungsverkehr verschärft.

Die Übernahme hätte den Anlegern eine Art „Bewertungsuntergrenze“ gegeben. Nachdem Stripe und Advent nun ausgestiegen sind, müssen sich die Investoren wieder mit dem eigentlichen Unternehmen beschäftigen: Umsatzwachstum, Margen, Transaktionsvolumen, Wettbewerb und die Fähigkeit des Managements, PayPal langfristig wieder auf einen überzeugenden Wachstumspfad zu bringen.

Interessant ist außerdem der mögliche psychologische Effekt: Der Markt hatte über Wochen beziehungsweise Monate eine Übernahme als Katalysator diskutiert. Fällt dieser Katalysator plötzlich weg, müssen viele Anleger ihre Bewertungsmodelle neu aufstellen. Genau deshalb kann eine solche Nachricht zu einem überproportional starken Kursrutsch führen.

Für Trader entsteht allerdings eine zweite interessante Situation: Ein solcher Ausverkauf kann mittelfristig eine Gegenbewegung auslösen, wenn sich herausstellt, dass die fundamentale Situation von PayPal weniger dramatisch ist als der Kursrutsch vermuten lässt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr: „Wird PayPal übernommen?“, sondern: „Was ist PayPal als eigenständiges Unternehmen wert?“

Mögliche Anlageidee:
PayPal eignet sich damit für eine klassische Contrarian-/Mean-Reversion-Beobachtung. Nach einem starken Gap-down sollte nicht blind gekauft werden. Interessanter wäre es, auf eine technische Stabilisierung, steigendes Handelsvolumen und eine Rückeroberung wichtiger gleitender Durchschnitte zu warten. Gelingt dies, könnte ein spekulativer Swing-Trade auf eine Erholung interessant werden. Fällt die Aktie dagegen weiter und bestätigt den Ausbruch nach unten, wäre ein Short-Setup die konsequentere Variante.

Bild: Wochenchart der Paypal-Aktie

In der ersten Marktreaktion ist Verkaufsdruck erkennbar. Dieser sollte jedoch nicht überbewertet werden. Normalerweise sollte sich daraus ein guter kurzfristiger Trade ergeben. Der Markt ist sehr volatil und Abwärtswellen werden schnell wieder aufgefangen. Wer hier das richtige Timing hat, kann schnell Geld verdienen. Der übergeordnete Money Flow war unterhalb von 60 USD stets bullish.

 

 

Hinweis: Die Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Alle Investitionen in Wertpapiere sind grundsätzlich mit Chancen und Risiken verbunden.

 

 

 

Infos zu den verwendeten Indikatoren:

Im zentralen Kurschart befinden sich drei gleitende Durchschnitte. Diese sind als einfache MA20, MA50 und MA100 dargestellt. Sie dienen der schnellen Einordnung des Trends. Ein Trend ist besonders stark, wenn alle GDs in die gleiche Richtung zeigen.

Der untere Indikator ist eine Kombination aus den bekannten Standardindikatoren RSI und MFI. Beide Indikatoren besitzen die gleiche Skalierung von 0 bis 100, wobei der MFI schneller reagiert als der RSI. Der MFI enthält in seiner Berechnung das Handelsvolumen, wodurch er dynamischer wird. Es gilt die Regel: Der MFI treibt den RSI an! Das Verhalten institutioneller Marktteilnehmer lässt sich erahnen, da sie mit ihrem hohen Handelsvolumen den Markt beeinflussen. In einem bullishen Zustand liegt der MFI über dem RSI. Für einen Aufwärtstrend übertrifft der MFI den Grenzwert von 60. In einer bullishen Konsolidierung läuft der RSI in Richtung der 50er-Mittellinie, während der MFI darüber liegt. In Bärenmärkten führt der MFI die Abwärtswellen an und unterschreitet den Grenzwert von 40.

 

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