Top-Chancen der Woche 36-2026

Die vergangenen Handelstage standen vor allem im Zeichen von Inflation, Anleiherenditen, geopolitischen Risiken und der Geldpolitik der Notenbanken. Für Trader besonders interessant: Die Themen greifen ineinander. Steigendes Öl treibt die Inflation, höhere Inflationserwartungen treiben die Renditen, und die Renditen bestimmen wiederum die Bewertung von Aktien. Gleichzeitig sorgt die japanische Notenbank für Bewegung am Devisenmarkt.

Globale Anleihekrise und die entscheidende Frage: Was macht die Fed?

Das beherrschende Thema an den internationalen Kapitalmärkten war in den vergangenen Tagen der kräftige Anstieg der Anleiherenditen. Besonders die langfristigen Staatsanleihen gerieten unter Druck. In den USA stieg die Rendite zehnjähriger Treasuries zeitweise auf rund 4,80 Prozent, während auch die Renditen in Deutschland, Großbritannien und Japan deutlich anzogen. Hintergrund sind wachsende Sorgen über Staatsverschuldung, Defizite und eine möglicherweise hartnäckigere Inflation. Der Ausverkauf war deshalb nicht nur ein US-Phänomen, sondern entwickelte sich zu einem globalen Bond-Thema.

Am Donnerstag kam allerdings eine überraschende Entspannung. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte, er neige dazu, die Zinsen bei der September-Sitzung unverändert zu lassen, sofern die kommenden Inflationsdaten die jüngsten Anzeichen einer nachlassenden Teuerung bestätigen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September wurde daraufhin am Terminmarkt deutlich zurückgenommen. Aktien legten zu, während die Renditen fielen.

Damit richtet sich der Blick nun unmittelbar auf die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag sowie die kommenden Inflationszahlen. Der Markt befindet sich in einem klassischen Spannungsfeld: Eine schwächere Konjunktur würde die Fed in Richtung Zinssenkung beziehungsweise Zinspause bewegen, gleichzeitig könnte ein zu starker Arbeitsmarkt die Inflationsproblematik verlängern. Für Börsianer ist deshalb nicht nur entscheidend, ob die Fed die Zinsen verändert, sondern welches Szenario die Anleihemärkte für die kommenden Monate einpreisen.

Mögliche Anlageidee: Für Trader bietet sich derzeit ein Blick auf den Nasdaq 100 an. Fällt der Renditedruck zurück und bestätigen schwächere Inflationsdaten die Waller-Linie, könnten zinssensitive Wachstums- und Technologiewerte überproportional profitieren. Umgekehrt wäre ein erneuter Renditeanstieg ein Warnsignal für hoch bewertete Growth-Aktien. Das Verhältnis zwischen Nasdaq 100 und US-10-Jahres-Rendite könnte daher in den kommenden Wochen ein ausgesprochen nützlicher Intermarket-Indikator sein.

Bild: Wochenchart des US-Future-Kontraktes US-Treasury Note

Je höher der Kontrakt steigt, desto eher sind sinkende US-Zinsen zu erwarten. Futures/Anleihekurse und Renditen bewegen sich immer invers zueinander. Ein steigender Future bedeutet also direkt eine fallende Rendite (Yield) der 10-jährigen US-Staatsanleihe.

 

Öl, Iran und die Straße von Hormus: Der neue Inflationsschock?

Das zweite große Thema ist der Ölpreis – und dahinter der eskalierende Konflikt zwischen den USA und Iran. Bereits am Montag gerieten die Märkte unter Druck, nachdem neue militärische Auseinandersetzungen im Nahen Osten die Sorgen vor einer Unterbrechung der Ölversorgung über die Straße von Hormus verstärkten. Brent sprang am Dienstag um mehr als vier Dollar und erreichte den höchsten Stand seit mehreren Wochen. Auch am Mittwoch legte der Ölpreis trotz hoher Volatilität weiter zu.

Die Bedeutung der Entwicklung geht weit über den Energiesektor hinaus. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Transportrouten für Erdöl weltweit. Jede ernsthafte Behinderung des Schiffsverkehrs kann deshalb innerhalb kürzester Zeit einen erheblichen Risikoaufschlag im Ölpreis erzeugen. Genau das fürchten die Anleger derzeit. Brent notierte zum Ende der Woche bereits bei rund 95 Dollar je Barrel und war damit auf Wochensicht etwa sieben Prozent gestiegen. Parallel dazu verteuerte sich europäisches Erdgas deutlich; die TTF-Preise lagen rund sieben Prozent über dem Niveau der Vorwoche und erreichten ein Dreijahreshoch.

Für die Aktienmärkte ist das eine unangenehme Kombination. Steigt Öl dauerhaft, erhöhen sich die Produktions-, Transport- und Energiekosten der Unternehmen. Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft der Verbraucher. Noch wichtiger ist aber die Reaktion der Notenbanken: Ein neuer Energiepreisschub könnte die erhoffte Lockerung der Geldpolitik erschweren. Genau deshalb gingen steigende Ölpreise in den vergangenen Tagen mit steigenden Anleiherenditen und fallenden Aktienkursen einher. Der DAX beispielsweise verlor zu Wochenbeginn deutlich und fiel zeitweise unter 26.000 Punkte.

Damit könnte sich ein gefährlicher Kreislauf entwickeln: Geopolitik → Ölpreis → Inflation → höhere Renditen → niedrigere Aktienbewertungen. Sollte sich die Lage im Nahen Osten allerdings entspannen, wäre auch das Gegenteil denkbar. Dann könnte der im Ölpreis enthaltene geopolitische Risikoaufschlag relativ schnell wieder verschwinden.

Mögliche Anlageidee: Anleger, die auf eine Fortsetzung des Ölpreisanstiegs setzen wollen, könnten den Energiesektor gegenüber dem Gesamtmarkt übergewichten. Interessant sind dabei insbesondere große integrierte Ölkonzerne, die von höheren Rohstoffpreisen profitieren und gleichzeitig weniger stark vom reinen Explorationsgeschäft abhängig sind. Für kurzfristige Trader ist Brent selbst allerdings das direktere Instrument. Entscheidend wäre ein nachhaltiger Ausbruch über das bisherige Mehrwochenhoch – ein Rückfall unter die Ausbruchszone würde dagegen für eine nachlassende geopolitische Risikoprämie sprechen.

Bild: Wochenchart der WTI-Rohöl-Futures

Zweifellos befindet sich der Ölpreis in einer volatilen Phase. Die Kursmuster entsprechen nicht dem Muster eines typischen Aufwärtstrends, was eine Prognose erschwert. Seit Juli liegt der Money Flow unter dem RSI, was darauf hindeutet, dass sich institutionelle Marktteilnehmer aus dem unsicheren Umfeld heraushalten.

 

Japan überrascht die Devisenmärkte: Der Yen startet eine Aufholjagd

Das dritte Thema kommt aus Japan und hat für internationale Anleger eine größere Bedeutung, als es auf den ersten Blick scheint. Der japanische Yen legte am Donnerstag innerhalb kurzer Zeit mehr als zwei Prozent gegenüber dem US-Dollar zu und erreichte mit rund 155,6 Yen je Dollar den höchsten Stand seit einem Monat. Am Freitag hielt sich die japanische Währung nahe diesem Niveau. Auf Wochenbasis steuerte der Yen damit auf einen Gewinn von rund 2,5 Prozent zu.

Auslöser waren vor allem deutlich gestiegene Erwartungen an eine Zinserhöhung der Bank of Japan. Marktteilnehmer rechnen inzwischen mit einer möglichen Anhebung auf der Sitzung am 17. und 18. September. Die Spekulationen wurden zusätzlich durch Äußerungen japanischer Notenbank- und Regierungsvertreter angeheizt. Gleichzeitig verlor der Dollar an Unterstützung, nachdem Waller die Möglichkeit einer Zinspause der Fed ins Spiel gebracht hatte.

Die Bewegung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Japan erst im Juli gemeinsam mit den USA gegen die extreme Yen-Schwäche interveniert hatte. Damals wurde der Yen zeitweise von rund 164 auf etwa 155 Yen je Dollar gedrückt, bevor ein großer Teil des Gewinns wieder verloren ging. Nun erreicht die Währung dieses Niveau erneut – diesmal offenbar primär durch eine Neubewertung der japanischen Geldpolitik.

Für internationale Anleger ist das relevant, weil der Yen eine wichtige Rolle im globalen Carry Trade spielt. Über Jahre konnten Investoren in Japan zu vergleichsweise niedrigen Zinsen Geld aufnehmen und das Kapital in höher verzinsliche Anlagen investieren. Steigen nun die japanischen Zinsen und wertet gleichzeitig der Yen auf, wird dieses Geschäftsmodell unattraktiver. Eine stärkere Yen-Aufwertung könnte deshalb Kapitalbewegungen rund um den Globus auslösen und insbesondere hoch gehebelte Positionen unter Druck setzen.

Mögliche Anlageidee: Ein interessanter Trade wäre eine Long-Position im Yen beziehungsweise eine Short-Position in USD/JPY, allerdings nur bei technischer Bestätigung der Bewegung. Ein nachhaltiger Bruch wichtiger Unterstützungen bei USD/JPY würde darauf hindeuten, dass aus der kurzfristigen Yen-Erholung ein größerer Trend werden könnte. Besonders spannend wäre die Kombination aus einem weiter fallenden USD/JPY und gleichzeitig steigenden japanischen Anleiherenditen – sie würde die These einer tatsächlich beginnenden geldpolitischen Normalisierung in Japan bestätigen.

Bild: Wochenchart USD/JPY

Der grau markierte Kursbereich zeigt die Eingriffe in den Devisenmarkt. Hier hat die japanische Notenbank versucht, den JPY gegenüber dem USD zu stützen. Aus technischer Sicht liegt ein Trendbruch des Aufwärtstrendkanals vor. Dies deutet auf weiter fallende Kurse hin.

 

 

Hinweis: Die Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Alle Investitionen in Wertpapiere sind grundsätzlich mit Chancen und Risiken verbunden.

 

Infos zu den verwendeten Indikatoren:

Im zentralen Kurschart befinden sich drei gleitende Durchschnitte. Diese sind als einfache MA20, MA50 und MA100 dargestellt. Sie dienen der schnellen Einordnung des Trends. Ein Trend ist besonders stark, wenn alle GDs in die gleiche Richtung zeigen.

Der untere Indikator ist eine Kombination aus den bekannten Standardindikatoren RSI und MFI. Beide Indikatoren besitzen die gleiche Skalierung von 0 bis 100, wobei der MFI schneller reagiert als der RSI. Der MFI enthält in seiner Berechnung das Handelsvolumen, wodurch er dynamischer wird. Es gilt die Regel: Der MFI treibt den RSI an! Das Verhalten institutioneller Marktteilnehmer lässt sich erahnen, da sie mit ihrem hohen Handelsvolumen den Markt beeinflussen. In einem bullishen Zustand liegt der MFI über dem RSI. Für einen Aufwärtstrend übertrifft der MFI den Grenzwert von 60. In einer bullishen Konsolidierung läuft der RSI in Richtung der 50er-Mittellinie, während der MFI darüber liegt. In Bärenmärkten führt der MFI die Abwärtswellen an und unterschreitet den Grenzwert von 40.

 

 

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