Optionen enthalten eine psychologische Börsenfalle

Da ich in den letzten Wochen immer wieder auf das Thema Optionen angesprochen wurde, möchte ich euch meine Meinung dazu mitteilen. Vorab, ich selbst handle keine Optionen, da ich mich mit dem Thema gut auskenne.

 

Grundsätzlich halte ich Optionen für ein hervorragendes Handelsinstrument. Es gibt sie für die wichtigsten Handelsobjekte und man sieht im Orderbuch, wie sich Geld- und Briefkurse zusammensetzen. Fairer geht es nicht. Dazu kommen in der Regel niedrige Handelsgebühren, die den kurzfristigen Handel attraktiv machen. Das sind schon mal gute Voraussetzungen für den Handel.

Stillhalter-Geschäfte muss man ständig überwachen

Warum glauben aber so viele Dummköpfe, mit Optionen erfolgreich zu sein? Vermutlich, weil man als Stillhalter garantierte Prämien bekommt. Gerade der Optionshandel als Stillhalter ist aber harte Arbeit. Es geht um die ständige Überwachung der Positionen. Das Abschätzen der Risiken und das ständige Überdenken der Positionsgrößen.

Der Handel mit Optionen kann sehr kompliziert sein, weil man sehr viele Optionskonstruktionen aufbauen kann. Wer sich noch nicht mit dem Optionshandel beschäftigt hat, sollte wissen, dass es an den Optionsmärkten Käufer und Verkäufer gibt. Der Stillhalter ist der Verkäufer einer Option und kann einem sowohl einen Call als auch einen Put verkaufen.

Der Stillhalter hat einen statistischen Vorteil

Und genau hier liegt der Clou. Während der klassische Trader auf eine Richtungsbewegung eines Basiswertes setzt und nur dann Geld verdient, wenn seine Prognose eintrifft, verhält es sich beim Stillhalter etwas anders. Der Stillhalter bietet mit dem Verkauf der Optionen eine Leistung an und erhält dafür eine Prämie. Die Gewinnwahrscheinlichkeit des Stillhalters ist schon aus diesem Grund höher. Er gewinnt, wenn sich der Basiswert in die vermutete Richtung bewegt, aber auch, wenn er sich gar nicht bewegt.

Wie bereits erwähnt, erhält der Stillhalter eine Prämie, die ihm sofort gutgeschrieben wird. Wenn der Stillhalter alles richtig macht, kann er damit fast schon garantierte Renditen erzielen.

Es gibt einen steuerlichen Vorteil

Die Einnahme über die Prämie ist vergleichbar mit einer Vergütung für die Arbeitsleistung. Obwohl es sich um den Terminmarkt handelt, gilt für private Trader nicht die steuerliche 20.000 € Verlustverrechnungsgrenze. Der Stillhalter zahlt, wenn er sich auf den Prämienhandel konzentriert, nur eine Abgeltungsteuer von ca. 26% auf seine Erträge.

Welche Renditen sind als Stillhalter möglich?

Wenn der Optionshandel mit geringem Risiko betrieben wird, erzielt der professionelle Stillhalter pro Jahr eine Rendite von ca. 10-15% auf sein Kapital. Und hier kommt der Knackpunkt: Die meisten Händler wollen an den Optionsmärkten höhere Renditen erzielen. Als Stillhalter träumen sie eher von 20 bis 30 Prozent Rendite. Das ist auch möglich, aber man muss eine Expertise haben.

Die meisten Händler sind von den garantierten Erträgen aus den Prämien fasziniert, aber auch diese müssen sehr gut geplant werden. Es ist also nicht nur ein rein mechanischer Vorgang, Optionen zu schreiben, sondern es geht vor allem um die Auswahl des Basiswertes. Wie ist seine Volatilität, befindet er sich in einem Trend, gibt es externe Informationen wie z.B. Börsennachrichten. Solche Dinge beeinflussen den Erfolg des Optionshändlers.

Wer keine Ahnung von Technischer Analyse hat, sollte die Finger von Optionen lassen.

Hier ist der Punkt, der mich am Optionshandel stört. Viele Ahnungslose besuchen teure Optionsseminare und glauben, damit gut gerüstet zu sein. Aber diesen Ahnungslosen fehlen die Grundlagen der Technischen Analyse.

Wie analysiere ich einen Trend? Wo setze ich einen guten Stopp? Ich bitte beim Optionshandel immer zu bedenken, dass die Auswahl eines Basiswertes im Einklang mit der Technischen Analyse erfolgen muss.

Heftige Rückschläge beim Optionshandel

Weil oft diese Grundlagen fehlen, kommt es gerade bei den Stillhaltern immer wieder zu faszinierenden Abstürzen. Wenn man sie fragt, sprechen sie von 90 % Trefferquote und sind ganz stolz darauf. Aber mindestens einmal im Jahr erwischt es sie hart. Dann ist ein Großteil der Gewinne auf einen Schlag vernichtet.

Alle Optionsprofis sind Meister im Risikomanagement.

Der Optionshandel ist extrem verführerisch, aber er offenbart auch persönliche Schwächen. Nehmen wir zum Beispiel die Cash Secured Puts. Diese Strategie gilt als sehr einfach und für private Trader gut geeignet. Was passiert bei diesem Handel?

Der Optionshändler sucht sich eine Aktie aus, die er im Zweifelsfall gerne in seinem Depot hätte, weil er die Aktie „gut findet“. Dann sucht er sich aus der Optionskette eine Put-Option mit irgendeinem Ausübungspreis und Verfallstermin, bei der er mit hoher Wahrscheinlichkeit die Prämie kassiert und die Aktie nicht in sein Depot gebucht wird.

Hier liegt bereits ein psychologischer Handelsfehler vor. Entweder bin ich von der Aktie überzeugt, dann will ich sie unbedingt im Depot haben. Jetzt und sofort. Wenn die Aktie im Optionshandel aber in meinem Depot landet, dann habe ich eine Niete geschossen und rede mir dann ein, dass ich die Aktie doch schon immer haben wollte. Das ist ein Widerspruch und ein Grundsatzfehler des Tradings.

Eine psychologische Falle

Bei den meisten Cash-Secured-Put-Händlern handelt es sich um Personen, deren einziges Ziel darin besteht, die Prämien zu erhalten. Es liegt hier also ein einfaches Short-Put-System vor. Wenn ich als Trader irgendwann vom Markt überrascht werde, dann bekomme ich die Aktie zu einem höheren Preis ins Depot gebucht. Das ist der Deal.

Wie denkt nun der Amateur? Die Aktie, die ich gut finde, ist jetzt in meinem Depot und das ist für mich OK, weil ich die Aktie ja so gut finde. Das ist doch Unsinn! Ein echter Profi hat keine Lieblingsaktien und wenn er von einer Aktie überzeugt ist, dann kauft er sie sofort. Er wartet nicht monatelang, ob er die Aktie über einen Cash Secured Put ins Depot bekommt.

Akzeptiert die Realität. Ihr habt euch verspekuliert! Na und? Was macht man mit Verliereraktien? Man versucht, sie abzustoßen. Sonst kann einem die vermeintliche Lieblingsaktie noch richtig um die Ohren fliegen. Wenn die Verliereraktie erst einmal in einen verschärften Abwärtstrend gerät, dann wird es richtig unangenehm.

Was machen Profis?

Ein echter Profi hat ein Risikomanagement und würde seine Position immer vor Ablauf der Frist schließen, wenn das Risiko nicht mehr passt. Sollte die Aktie trotzdem eingebucht werden, weil zum Beispiel der Optionskäufer darauf besteht, dann verkauft er die Aktie sofort und nimmt den kleinen Verlust mit. Es gibt nichts Schlimmeres für Börsianer, als die Nieten dauerhaft im Depot zu lassen. Stellt euch vor, ihr hättet euch damals die Wirecard-Aktie ins Depot gelegt. Ob man die Aktie damals gut oder schlecht fand, spielt keine Rolle. Es war eine Niete.

Meine Meinung zum Optionshandel ist daher klar. Entweder man macht es professionell oder gar nicht. Ein bisschen Optionshandel nebenbei ist die vorprogrammierte Katastrophe.

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.