So funktioniert Pairstrading

Was ist Pairstrading?

Pairs Trading ist eine Anlagestrategie, bei der ein Trader zwei ähnliche Vermögenswerte miteinander vergleicht und darauf spekuliert, dass sich die Preise dieser Vermögenswerte wieder zueinander entwickeln werden. Der Kern der Strategie besteht darin, nur zwei Vermögenswerte auszuwählen, die auch miteinander korrelieren und sich aber kurzfristig anders entwickelt haben. Dies könnten zum Beispiel zwei Aktien desselben Sektors beziehungsweise einer Branche sein. Der Trader würde dann eine Long-Position auf die Aktie A eröffnen und eine Short-Position auf die Aktie B. Sobald sich die ungewöhnliche Kursdifferenz wieder normalisiert, würden durch das Pairstrading jeweils ein Gewinn und ein Verlust entstehen. Der Gewinn ist allerdings deutlich höher als der Verlust. So kann der Trader unabhängig von der zukünftigen Marktrichtung Gewinne erzielen.

Die Idee hinter dieser Strategie: Zwei Aktien einer Branche werden sich zwar unterschiedlich entwickeln, doch starke kurz- und mittelfristige Differenzen werden sich wieder ausgleichen. Die Ursache für die Angleichung ist eben die Branche und einzelne Unternehmen aus der Branche können kaum sprunghafte Innovationen erzeugen, sodass große Kursdifferenzen gerechtfertigt wären. Kurzfristige Veränderungen geschehen durch News und sonstige Kursbeeinflussungen und sie verursachen eine Ineffizienz.

Wo kommt das Pairstrading her?

Eine höhere Popularität gewann das Pairstrading erst im Jahr 2011, als Perry J. Kaufman sein Fachbuch „Alpha-Trading“ veröffentlichte. Zuvor war der Tradingstil eher etwas für institutionelle Marktteilnehmer, die meist im Bereich der Hedgefonds zu verorten waren. Schon 1980 setzte die Investment Bank Morgan Stanley das Pairs Trading ein. In der Bank gab es eine spezielle Abteilung, die sich mit quantitativen Handelsstrategien beschäftigte und sie wurde von Nunzio Tartaglia geleitet, der damals als Star in der Trading-Szene galt.

Den Handel vorbereiten

Um erfolgreiches Pairstrading zu betreiben, muss der Anleger eine sorgfältige Analyse betreiben. Es muss sichergestellt werden, dass die beiden Vermögenswerte wirklich miteinander korrelieren. Der Trader muss dabei auch die Risiken verstehen, die mit dieser Strategie verbunden sind, einschließlich der Möglichkeit, dass die beiden Vermögenswerte sich von ihrer historischen Korrelation entfernen könnten. Hierin liegt das Hauptrisiko.

Für das Pairstrading kommen Aktien, Indizes, Devisen, Rohstoffe oder eine Kombination infrage. Für den risikobewussten Trader sind auch die vielen ETFs ein guter Ansatz. Der Pairs Trader versucht stets Profit aus der Ungleichheit zweier Werte zu erwirtschaften. Sobald sich die Ungleichheit wieder ausgleicht, schließt er den Trade wieder.

Die Ungleichheit der beiden Handelswerte kann unterschiedlich bestimmt werden. Es gibt vier Richtungen, die von Pairs Tradern genutzt werden:

  • Distanzmethode (Die Suche nach einer ungewöhnlichen Kursdifferenz der Werte.)
  • Lineare Regression (Die Suche nach Unterschieden in der Kurssteigung.)
  • Cointegration-Methode (Vergleich zweier Kursgraphen, die ursächlich nicht miteinander korrelieren und es trotzdem tun.)
  • Stochastik-Spread (Ziel ist die Ermittlung einer Differenz, die unwahrscheinlich ist.)

Fast schon planbare Renditen erzielbar

Pairstrading wird meistens von professionellen Marktteilnehmern angewendet, die auf sichere Renditen spekulieren. Sicher heißt in diesem Zusammenhang, dass die Wertveränderungen des Depots nur geringe Schwankungen aufweisen sollten. Ein Trader möchte damit die scharfen Drawdown-Phasen umgehen.

Die Pairstrading hat einige positive Eigenschaften. Das wichtigste Argument ist die Risikominimierung. Weil gleichzeitig eine Long- und eine Short-Position eröffnet wird, entsteht über die Korrelation der beiden Werte eine sofortige Absicherung. Jeder Teil des Trades agiert dabei als Absicherung gegen den anderen. Somit kann das Risiko einer Handelsidee bis zu einem gewissen Grad vollständig kontrolliert werden. 100 Prozent Risikovermeidung gibt es allerdings nicht. Eine Pairstrading-Strategie kann in allen Trendphasen eingesetzt werden. Es spielt keine Rolle, ob es sich um einen Aufwärts-, Abwärts- oder Seitwärtstrend handelt. Die gesuchte Handelschance entsteht durch die Ineffizienz der Kurse und nicht durch Kursmuster. Das Pairstrading ist damit losgelöst von der Wirkung der Marktpsychologie.

Beispiel eines konkreten Pairtrades

Zur Entwicklung einer Handelsposition benötigt ein Trader die Kursdaten zweier Handelswerte. Daraus errechnet er dann eine Relation, indem er den einen Marktpreis durch den anderen dividiert. Wenn sich die Relation außerhalb des normalen Bereichs befindet, könnte sich daraus eine Handelschance entwickeln (siehe Bild 1).

Pairstrading MB-VW

Bild 1: Kursverläufe der Aktien von Mercedes Benz und VW

Der Wochen-Chart zeigt die beiden Kursverläufe der beiden Aktien (Mercedes = schwarz und VW = rot). In der Mitte des Chart ist die mathematische Korrelation abgebildet. Je niedriger der Korrelations-Graph verläuft, desto interessanter wird Handelschance. Im unteren Teil des Charts ist der rechnerische Quotient aus den beiden Kursverläufen abgebildet. Die Bollinger-Bänder um den Quotienten zeigen, die Unregelmäßigkeiten auf. Im Oktober unterbietet der Quotient das untere Bollinger-Band.

Das Handelsbeispiel in Bild 1 zeigt im November 2021 eine ungewöhnlich starke Bewegung bei der Mercedes-Aktie und eine passende Schwäche bei VW-Aktie. In dieser Situation sind eine Short-Position bei Mercedes und eine Long-Position von VW erfolgversprechend. Als Ausstiegszeitpunkt könnte man einen Korrelationswert von 0,5 ansetzen.

Beispielrechnung für zwei Positionen mit jeweils 10.000 Euro Depotwert:
Zeitraum: 26.11.2021 bis 25.03.2022 (4 Monate)

VW-Aktienkurs = 163,94 Euro
Kauf von 1845 Stück VW-KO-Zertifikat-Long mit Hebel 3 für 5,42 Euro (long).
Mercedes-Aktienkurs = 83,16 Euro
Kauf von 3571 Stück Mercedes-KO-Zertifikat-Short mit Hebel 3 für 2,80 Euro.

Positionsschließung bei einer Korrelation von 0,5. Zeitpunkt am 25.03.2022

VW-Aktienkurs = 151,18 Euro
Verkauf von 1845 Stück VW-KO-Zertifikat mit Hebel 3 für 4,13 Euro (Verlust -23,7%).
Mercedes-Aktienkurs = 63,21 Euro
Verkauf von 3571 Stück Mercedes-KO-Zertifikat mit Hebel 3 für 4,81 Euro (Gewinn +71,7%).

Depotveränderung:

Verkauf Mercedes-Zertifikate 1845 x 4,13 = 7619,85 Euro
Verkauf VW-Zertifikate 3571 x 4,81 = 17176,51 Euro

Einzelgewinn = 7177,71 Euro
Einzelverlust = 2380,05 Euro

Handelsgewinn = 4797,66 Euro (ca. 24 % auf die eingesetzten 20.000 Euro Kapital in 4 Monaten)

 

Der Ausstiegszeitpunkt richtig wählen

Der Ausstiegszeitpunkt entscheidet über die Profitabilität des Handels. Weil ein einzelner Kursverlauf nicht direkt für ein Ausstiegssignal benutzt wird, muss beim Pairstrading die Korrelation der beiden Werte den Ausstiegszeitpunkt definieren. Schließlich war ja auch die Korrelation der Kurse die Ursache für die Erkennung der Handelschance. In der Mitte des Charts (Bild 1) sehen Sie die mathematische Korrelation der beiden Kurswerte abgebildet. In der Mathematik gelten folgende Richtwerte:

Korrelation        Stärke des Zusammenhangs

0,1 < 0,3               geringer Zusammenhang

0,3 < 0,5               mittlerer Zusammenhang

0,5 < 0,7               hoher Zusammenhang

0,7 < 1,0               sehr hoher Zusammenhang

Der gewählte Ausstiegszeitpunkt wurde deshalb über einen Korrelationswert von 0,5 gewählt. Es ist der Grenzwert zwischen der mittleren und hohen Korrelation.

 

Was Sie über die Risiken wissen müssen.

Alles, was man an der Börse macht, muss immer in Relation zum Risiko stehen. Auch das Pairs Trading ist nicht unfehlbar. Nehmen wir an, Sie wählen zwei Aktien aus, die sich in der gleichen Branche befinden. Wenn nun eines dieser Unternehmen einen vollständigen Wechsel seiner Unternehmensstrategie vollzieht, dann sind die alten Korrelationswerte unbedeutend. So etwas kann sogar sprunghaft passieren. Denkbar wäre zum Beispiel eine Übernahme durch eines der beiden Unternehmen. Nehmen wir zum Beispiel die Automobilbranche in Deutschland und Sie würden nun Mercedes mit VW vergleichen. Wie selbstverständlich besteht zwischen den beiden Aktien eine Korrelation über die Branche. Würde sich nun VW dazu entschließen, zukünftig auch Flugzeuge zu bauen, dürfte man die beiden Werte nicht mehr miteinander vergleichen. Vielleicht halten Sie das Beispiel für unrealistisch, doch extreme Strategieänderungen gab es in der Börsenhistorie des Öfteren. Ein krasses Beispiel ist Nokia. Das Unternehmen stellte in seiner Unternehmenshistorie zum Beispiel Smartphones, Telekommunikationsnetze, Fahrräder, Gummistiefel oder Papier her.

Auch wenn sich Pairstrading wie die ideale Strategie ohne des Risiken anhört, handelt es sich beim nicht um eine geheimnisvolle Formel. Deshalb ist es besonders wichtig, das Risiko richtig zu managen. Das ist einfacher gesagt als getan, denn es lassen sich nur schwer Stopps einbauen. Eine mögliche Idee wäre allerdings die maximale Höhe des absoluten Verlustbetrages, der sich durch die offenen Positionen ergeben könnte. Der Konkurs im Jahr 2000 von Long-Term Capital Management (LTCM) sollte eine Warnung sein, denn auch damals handelte es sich im erweiterten Sinn um ein Pairtrade, der in Schieflage geriet.

Die Technische Analyse beim Pairs Trading

Das Interessante am Pairstrading ist, dass es sowohl von fundamentalen Investoren als auch technischen Analysten genutzt werden kann. Fundamentale Investoren können für die Bewertung des Verhältnisses beide Werte heranziehen. Wenn sich die Marktentwicklung im Verhältnis zu einem anderen Markt zu sehr verteuert, wurde eine Trading-Möglichkeit geschaffen, bei der der unterbewertete Wert gekauft und der überbewertete Wert verkauft wird. Technische Investoren würden sich bei der Analyse vermutlich auf den Kurs verlassen. Da aber der Kurs für die in der Zukunft erwarteten Gewinne eine fundamentale Rolle spielt, ist der Gesamtansatz vergleichbar.

Fazit

Pairstrading ist eine professionelle Strategie, aber wie bei allen Strategien bestehen auch hier gewisse Risiken und der Erfolg ist natürlich nicht garantiert. Das Kernstück der Strategie bildet dabei das Risikomanagement. Ein sehr wichtiger Aspekt ergibt sich über die Steuern in Deutschland. Beim Pairstrading werden bewusst Verluste produziert. Wenn durch die Steuergesetzgebung einer Verlustverrechnung nur beschränkt möglich ist, dann wird die Strategie unnütz. Wer also als Privattrader das Pairstrading im normalen Stil betreiben möchte, der muss auf klassische Termingeschäfte mit Futures, Optionen und CFDs verzichten. Lösungsansätze, um die Steuerungleichheit zu vermeiden, wären zum Beispiel Optionsscheine, KO-Zertifikate oder auch der Handel innerhalb eines Wikifolios.

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